Mit dieser Problematik befasste sich Quadflieg in dem Projekt „Nutriwear“. Dort entwickelt er eine Art „Funktionsunterwäsche“. Bei „Nutriwear“ geht es darum, Ernährungsparameter 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, zu messen und dabei auf die Vorteile von Textilien zurückzugreifen. Ziel ist es, diese Messungen vom Pflegepersonal unabhängig zu machen und somit ein mobiles Messsystem zu schaffen, welches im Arbeits- und Alltagsleben eingesetzt werden kann. Die Lösung dafür sind „intelligente“ Kleidungsstücke, die mit textilen Leiterbahnen und Elektroden ausgestattet sind. Diese High-Tech-Bekleidung besteht aus einer enganliegenden Radlerhose, in der an jedem Bein zwei „weiche“ Elektroden aus silberbeschichtetem Polyamid eingearbeitet sind. Über zwei Elektroden fließt ein Messstrom durch den Körper. Daneben gibt es die zwei weiteren Elektroden, die den Spannungsabfall messen. Dieses Verfahren nennt sich „Bioimpedanz-Spektroskopie“. Der Strom der Elektroden kann durch Flüssigkeiten und Muskelmasse des Körpers leichter durchfließen, als durch Fettgewebe oder Knochen. Die unterschiedlichen Leitfähigkeiten von Flüssigkeit, Muskel- oder Fettmasse verändern den Stromwiderstand. Aus den Ergebnissen dieser Messungen kann man anhand von Formeln die Körperzusammensetzung, und somit auch den Wasserhaushalt, errechnen.
Das „Nutriwear“-System sendet anhand eines befestigten Messgeräts Informationen über die Messergebnisse an ein PDA, ein „Personal Digital Assistant“. Trinkt der Träger der Unterwäsche zu wenig, schlägt das Messgerät Alarm und gibt eine Warnmeldung an das PDA raus. Der Patient trägt dieses Gerät bei sich und bekommt so kontinuierlich ein Feedback. Solche Bioimpedanz-Messungen durch Textilien sollen eines Tages in der Altenpflege von Nutzen sein, um das Pflegepersonal zu entlasten und rechtzeitig zu informieren, wenn es älteren Menschen an Flüssigkeit mangelt. Ein weiterer Vorteil ist, dass durch diese Wäsche Senioren länger alleine und autonom leben können. Die Überwachung des Ernährungszustandes und Wasserhaushaltes kann nämlich mithilfe des „Nutriwear“-Systems über Distanz erfolgen.
i.A. Catherine Jungbluth
Kontakt:
Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen
Dipl.-Ing. Till Quadflieg
Otto-Blumenthal-Straße 1
52074 Aachen
Telefon: +49 241 80 23483
E-Mail: till.quadflieg@ita.rwth-aachen.de
Internet: www.ita.rwth-aachen.de
Stand: 06/2010