Die Stadtmauer von Ghazni
Die Stadt Ghazni war vor tausend Jahren Hauptstadt der Ghaznawiden und auch Hauptstadt der damaligen Kultur, beispielsweise wurde dort die bis heute gültige persische Schrift entwickelt. Ghazni liegt 150 Kilometer südlich von Kabul und ist im Jahr 2013 Kulturhauptstadt der ISESCO, der Islamic Organization for Education, Science and Culture und islamisches Pendant zur UNESCO. Die historische Stadtmauer ist heute in einem sehr schlechten Zustand, der natürliche Abbauprozess der Lehmkonstruktion und der Krieg sind die Ursachen für die Zerstörungen. Die Stadtmauer soll jetzt in einer Länge von 2,5 Kilometer restauriert werden. Dazu müssen aufwändig Gerüste aufgebaut werden, da die Mauer bis zu 20 Meter hoch ist. Mehr als 100 Arbeiter aus der Region werden in den nächsten drei Jahren jeweils zwischen April und Oktober tätig sein. Allerdings kennen sie die traditionelle Bauweise mit Lehm mittlerweile nicht mehr und müssen erst wieder an diese herangeführt werden. Professor Jansen wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland 1,5 Millionen Euro für dieses Projekt erhalten. Die Pläne für den Wiederaufbau wurden in enge Zusammenarbeit mit dem afghanischen Ministerium für Kultur und Information sowie dem afghanischen Städtebauministerium entwickelt.
Das Tal von Bamiyan
Das Tal von Bamiyan wird derzeit von den Aachener Forschern genau vermessen. Denn nicht nur die vor zehn Jahren von den Taliban zerstörten Buddha-Statuen, sondern das gesamte Tal steht auf der UNESCO Welterbe-Liste. Geschützt werden müssen neben den heute leeren Nischen der Buddhas und deren Fragmente sieben weitere Denkmäler sowie die Dörfer, Landschaften und Bewässerungssysteme des Tals. In einem Cultural Master Plan haben Professor Jansen und sein Team bereits vor einigen Jahren festgeschrieben, was geschützt werden soll beziehungsweise wo heute gebaut werden darf. Diese Vorgaben wurden von der afghanischen Regierung übernommen. Der Master Plan muss aber fortgeschrieben und neue wissenschaftliche Erkenntnisse eingefügt werden.
Bildunterschrift: Dr. S. Husein Hessari, Minister für Städtebau und Stadtentwicklung in Afghanistan, und Univ.-Prof. Michael Jansen arbeiten gemeinsam am Wiederaufbau in Afghanistan: Der Schutz des Tals von Bamiyan und die Restaurierung der Stadtmauer von Ghazni sind gemeinsame Projekte. Dipl.-Ing. Georgios Toubekis, Dr. Karsten Ley (von links) und Univ.-Prof. Dr.-Ing. Michael Jansen (rechts) begrüßen den afghanischen Minister für Städtebau und Stadtentwicklung Dr. S. Husein Hessari (zweiter von rechts) und seinen Mitarbeiter A. Wassay Rahim an der RWTH Aachen. Foto: Martin Lux
Stand: 03/2011