ERC Starting Grants für drei RWTH-Wissenschaftler und -Wissenschaftlerinnen

18.12.2014

Martin Salinga, Franziska Schoenebeck und Norbert Schuch erhalten einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrates, ERC. In einem zweistufigen Verfahren haben sich die Drei im Wettbewerb der europäischen Nachwuchselite erfolgreich behauptet. Sie erhalten für ihre Projekte eine Förderung von bis zu 1,5 Millionen Euro, verteilt auf fünf Jahre.

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  Karlsbrunnen Andreas Herrmann

Mit den Starting Grants für exzellenten Wissenschaftsnachwuchs in Europa bietet der Europäische Forschungsrat lukrative Möglichkeiten, Grundlagenforschung zu betreiben und ein eigenes Forschungsteam auszubauen. Der ERC fördert bahnbrechende Forschung, bei der die Grenzen zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung, zwischen klassischen Disziplinen und zwischen Forschung und Technologie aufgehoben werden. Die Attraktivität des europäischen For-schungsraums soll so gesteigert werden.

Dr. Martin Salinga - Dynamik amorpher Halbleiter in neuromorpher Elektronik

Nach jahrzehntelanger Perfektionierung von Computern ist heute klar, dass mit der bisherigen Logik niemals die Effizienz biologischer neuronaler Netze erreicht werden kann. Eine wachsende Zahl von Forschern arbeitet deshalb daran, bereits beim Design künstlicher Elektronik zur Informationsverarbeitung dem Beispiel der Natur zu folgen.

Ein neuronales Netz besteht aus verknüpften Neuronen, die als Teil des Nervensystems einen funktionellen Zusammenhang bilden. Das NEURAMORPH-Projekt zielt auf die Entwicklung kompakter Bauelemente, die die Veränderung der Stärke synaptischer Verbindungen zwischen künstlichen Neuronen regeln. Hierzu sollen wegen der natürlichen Dynamik ihrer elektrischen Anregbarkeit amorphe Halbleitermaterialien eingesetzt werden – ein völlig neuer Ansatz. Um die Eigenschaften dieser synaptischen Elemente gut kontrollieren zu können, ist ein umfassendes Verständnis der Relaxationsprozesse in solchen amorphen Materialien zwingend notwendig. In diesem Projekt werden daher physikalische Experimente und Computersimulationen eingesetzt, um den Zusammenhang zwischen Materialzusammensetzung, struktureller Dynamik und sich verändernder elektrischer Anregbarkeit aufzuklären.

Martin Salinga, Jahrgang 1979, forscht und lehrt als akademischer Oberrat am Institut für Physik neuer Materialien der RWTH Aachen. Nach insgesamt zweijährigen Forschungsaufenthalten an der Harvard University und dem IBM Almaden Research Center im Silicon Valley kehrte er Ende 2006 an die RWTH Aachen zurück. Hier setzte er seine Studien über die Schalteigenschaften von Phasenwechselmaterialien fort und trat im Anschluss an seine Promotion im Sommer 2008 eine Stelle als Gruppenleiter an. Seit Juli 2011 ist er Teilprojektleiter im von JARA-FIT initiierten Sonderforschungsbereich Nanoswitches und als Geschäftsführer auch Mitglied der Lenkungsgruppe. Gemeinsam mit seinem Team erforscht er die Dynamik resistiv schaltender Materialien und ihre Anwendungsmöglichkeiten in neuartiger Elektronik.

Prof. Dr. Franziska Schoenebeck – Konzepte für die Katalyse

In der modernen Chemie ist die Katalyse allgegenwärtig, da sie zur Lösung globaler Herausforderungen einen wichtigen Beitrag leisten kann. Auch für die Produktion in der chemischen Industrie ist sie sehr bedeutend, da hier 80 Prozent aller Erzeugnisse mittels katalytischer Prozesse hergestellt werden. Trotz des enormen Wachstums des Forschungsgebiets Katalyse in den letzten Jahrzehnten sind die Mechanismen aber nicht immer bekannt. Für die Entwicklung zukünftiger innovativer Ansätze ist es unerlässlich, ein fundamentales Verständnis der zugrundeliegenden Prozesse zu erlangen, um so den hohen Bedarf an selektiven und nachhaltigen Prozessen decken zu können. Erkenntnisbasierte Entwicklungen und insbesondere Katalysatordesigns sind bisher jedoch äußerst selten. Die Gruppe um Schoenebeck kombiniert gezielt experimentelle und computergestützte Techniken, um so Zugang zu den mechanistischen Details wichtiger katalytischer Reaktionen zu erlangen und Reaktivitätsdesigns zu ermöglichen.

Franziska Schoenebeck, Jahrgang 1982, ist seit Juni 2013 Universitätsprofessorin am Institut für Organische Chemie an der RWTH Aachen. Sie überzeugte eine Expertenjury im Auswahlverfahren „Programm zur Förderung der Rückkehr des hochqualifizierten Forschungsnachwuchses aus dem Ausland“ des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Land unterstützt Schoenebeck mit 1,25 Millionen Euro für den Ausbau ihrer Forschungsgruppe. Schoenebeck studierte Chemie an der Technischen Universität Berlin und an der University of Strathclyde in Glasgow, wo sie anschlie-ßend auch promovierte. Sie war an der University of California in Los Angeles und an der ETH Zürich tätig. Im Jahr 2014 erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen: den ORCHEM-Preis für Nachwuchswissenschaftler von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), den Dozentenpreis des Fonds der Chemischen Industrie und den JPOC Award for Early Excellence in Physical Organic Chemistry.

Prof. Dr. Norbert Schuch – Komplexe Quantensysteme verstehen

Komplexe Systeme von wechselwirkenden quantenmechanischen Teilchen zeigen vielfältige unkonventionelle Effekte. Diese können als Grundlage für zukünftige Technologien - wie hochpräzise Messgeräte, leistungsfähige Speichermedien oder neuartige Quantencomputer - dienen. Die Vielfalt der physikalischen Phänomene basiert auf der komplizierten quantenmechanischen Verschränktheit dieser Systeme. Teile des Systems können nur gemeinsam beschrieben werden, was das physikalische Verständnis solcher Systeme jedoch sehr erschwert. Im Projekt „Wavefunctions for strongly correlated systems“ (WASCOSYS) werden Methoden aus der Quanteninformationstheorie - insbesondere aus der Verschränktheitstheorie - verwendet um neue Ansätze zur Modellierung von komplexen Quanten-Vielteilchensystemen zu entwickeln. Diese Methoden werden zu einem grundlegenden und umfassenden Verständnis der Struktur von komplexen Quantensystemen beitragen und somit langfristig einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung neuartiger Quantenmaterialien leisten.

Norbert Schuch – geboren am 7.4.1978 – ist seit März 2012 Juniorprofessor für das Fach Theoretische Physik (kondensierte Materie) am von JARA getragenen Institut für Quantum Information der RWTH. Schuch studierte Physik an der Universität Regensburg und promovierte am Max-Planck-Institut für Quantenoptik und der Technischen Universität München. Auch forschte er am California Institute of Technology in Pasadena.

Redaktion: Presse und Öffentlichkeitsarbeit