WZL nimmt Ersatzflächen in Betrieb

07.03.2017
Innenansicht Halle Peter Winandy

Nachdem die große Versuchshalle des Werkzeugmaschinenlabor WZL am 5. Februar 2016 vollständig abgebrannt ist, nimmt das WZL der RWTH nun auch offiziell neue Ersatzflächen am Rotter Bruch in Aachen in Betrieb.

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Das WZL-Direktorium, vertreten durch Professor Günther Schuh, Professor Fritz Klocke, Professor Robert Schmitt und Professor Christian Brecher, zeigte sich kurz nach dem Brand äußerst dankbar über die vielen Hilfsangebote. Seitens der RWTH Aachen als auch von vielen Industrie- und Forschungspartnern aus aller Welt wurden zeitnah Ersatz(leih)maschinen, Mess- und Laborausstattungen und Nutzflächen angeboten um die Arbeitsfähigkeit am WZL wieder aufzubauen. Um die notwendige enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Forschergruppen am WZL und den zentralen Werkstätten im Hause zu gewährleisten, entschied sich das Direktorium für sechs Standorte mit insgesamt 3.700 Quadratmeter in unmittelbarer Nähe zu den noch vorhandenen WZL-Gebäuden.

Nach dem Motto „Jetzt erst recht“ konnten zügig Forschungstätigkeiten zu benachbarten Einrichtungen verlagert und zum Teil die Kooperation mit Industrieunternehmen noch intensiviert werden. Im Cluster Produktionstechnik auf dem RWTH Aachen Campus wurden insgesamt 1200 Quadratmeter durch die WBA Werkzeugbau Akademie, die e.GO Mobile AG und durch das Aachener Zentrum für Leichtbau AZL zur Verfügung gestellt und von der RWTH für das WZL angemietet. Die Forschungsarbeiten im Bereich Zerspantechnologie an Fräszentren, sowie an Drehzentren, die Schleif- und Umform- sowie Verzahnungstechnologie wurden entsprechend des Bedarfs verlagert.

  Halle Außenansicht Peter Winandy WZL nimmt Ersatzhalle am „Rotter Bruch“ in Betrieb

Weitere 100 Quadratmeter wurden am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT für den Bereich Feinmessraum sowie die Erodiertechnologie zur Verfügung gestellt. Am Standort Bogenhalle werden derzeit 790 Quadratmeter Hallenfläche für den Bereich Montage und Robotik genutzt.

Auf einer Gesamtfläche von 1.600 Quadratmetern – verteilt auf zwei Hallen mit je 1.090 Quadratmetern sowie 510 Quadratmetern – werden künftig die Forschungsschwerpunkte des Lehrstuhls Technologie der Fertigungsverfahren unter Leitung von Professor Fritz Klocke am Rotter Bruch angesiedelt sein. Dieser Lehrstuhl mit seinen Forschungsbereichen war am stärksten durch den Brand betroffen. „Die Konzentration von Forschungsarbeiten am Standort Rotter Bruch reduzieren unsere derzeitigen Logistik- und Abstimmungsaufwände enorm“, so Klocke bei der Vorstellung der Ersatzfläche. Die Bereiche Zerspantechnologie, Schleifen und Umformen sowie die Mechanische Werkstatt und der Ausbildungsbetrieb des Werkzeugmaschinenlabors haben hier Ihren Betrieb aufgenommen.

Bereits im Mai 2016 konnten einzelne Teile des Maschinenparks im Rahmen von Gebrauchtmaschinenankäufen der RWTH wiederbeschafft werden. Da neben den Werkzeugmaschinen auch Werkzeuge, Betriebsmittel sowie Betriebsausstattungen wie beispielsweise Werkbänke, -tische, Regale und Spänecontainer in die Ersatzflächen eingebracht werden mussten, stand das Institut insgesamt vor einer großen Herausforderung.

Weiterhin wurden dem Werkzeugmaschinenlabor von weltweit führenden Werkzeugmaschinenbauunternehmen und Geräteherstellern weitere Leihmaschinen zur Verfügung gestellt. Unter anderem umfasst das Portfolio Verzahnungsmaschinen, 3- und 5-Achs Bearbeitungszentren, Schleifmaschinen, Erodiermaschinen, Messeinrichtungen sowie Verzahnungsmessmaschinen.

Im Rotter Bruch liegt der Fokus hauptsächlich im Bereich der Grundlagenforschung zur Zerspantechnologie sowie in der mechanischen Fertigung von Versuchskomponenten für öffentlich geförderte und bilaterale Forschungsprojekte. Zwei Meister „Industriemetall“ sowie sechs Gesellen „Industriemechaniker-Feingerätebau“ werden von zwölf Auszubildenden unterstützt und arbeiten dauerhaft am neuen Ersatzstandort Rotter Bruch in der mechanischen Werkstatt sowie im Lehrbetrieb. Für das kommende Ausbildungsjahr 2017 sind weitere vier Auszubildende fest eingeplant.

„Zum Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium am 18. und 19. Mai 2017 wird die volle Arbeitsfähigkeit vorhanden sein“, so Professor Fritz Klocke. Bei der Institutsbesichtigung werden sich die Teilnehmer und Besucher des Kolloquiums persönlich davon überzeugen können.

Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen

Das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen steht weltweit seit mehr als über 100 Jahren für zukunftsweisende Forschung und erfolgreiche Innovationen auf dem Gebiet der Produktionstechnik. Die vier Lehrstühle Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement, Produktionssystematik, Technologie der Fertigungsverfahren und Werkzeugmaschinen decken alle Kernthemen der Produktionstechnik ab.

Gemeinsam mit Industrieunternehmen wird ein Großteil der Forschungsarbeiten durchgeführt. So ist sichergestellt, dass die Ergebnisse schnell in die betriebliche Praxis einfließen und die universitäre Lehre stets aktuell gehalten wird. Geführt wird das WZL mit seinen 850 Mitarbeitern von den vier Professoren Christian Brecher, Fritz Klocke, Günther Schuh und Robert Schmitt.