Emmanuel Macron diskutiert im C.A.R.L.

11.05.2018

Der französische Staatspräsident spricht im Anschluss an seine Auszeichnung mit dem Internationalen Karlspreis mit RWTH-Studierenden über Europa

 
Livestream: Karlspreisträger Emmanuel Macron in der RWTH
 

„Sie sind wirklich jemand, der andere beseelen kann!“, so die letzten dankenden Worte von Kanzler Manfred Nettekoven an den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron nach einer Stunde und 15 Minuten im Hörsaalgebäude C.A.R.L. der RWTH Aachen.1.000 Studierende hatten am Donnerstagnachmittag die Gelegenheit genutzt, das französische Staatsoberhaupt zu erleben und ihm Fragen zu stellen.

Macron war im Anschluss an die Verleihung des Internationalen Karlspreises im Aachener Rathaus am Nachmittag in das Hörsaalgebäude C.A.R.L. gekommen und betrat im dunkelblauen Anzug nach einer 45-minütigen Verspätung den bis auf den letzten Platz besetzten Hörsaal. Das Warten nahm ihm da niemand mehr übel, stattdessen gab es einen begeisterten Applaus.

„Mir wurde heute Morgen eine gewaltige Ehre zuteil mit der Verleihung dieses Preises. Ich betrachte ihn als Anreiz, weiterzugehen, um die Anstrengungen und Maßnahmen fortzuführen, die ich begonnen habe“, sagte der Karlspreisträger zu Beginn des Austausches mit den RWTH-Studierenden.

Eine Frage der Studierenden bezog sich auf Kritik am französischen Hochschulsystem: „Soll die akademische Ausbildung Eliten vorbehalten bleiben oder im Sinne einer Chancengleichheit allen zugänglich gemacht werden?“ Macron zitierte in seiner Antwort einen französischen Philosophen: „Frankreich ist ein aristokratisches, egalitäres Land, die Gleichheit fasziniert uns, aber wir verfahren nach aristokratischen Regeln.“ Dann wurde er noch deutlicher: „Es gibt immer Eliten und wir brauchen sie für verantwortungsvolle Positionen“. Gleichzeitig räumte er ein, dass es nicht richtig sein kann, wenn die Herkunft eines Kindes über seinen Werdegang bestimmt, und da sah er alle in der Pflicht, das sei schließlich nicht nur in Frankreich ein großes Problem.

Es wurde dann weiterhin über Europas Zukunft gesprochen, über Versäumtes, fehlende eindeutige Absprachen und deutlichere Ansagen, und darüber, dass Europa mehr gemeinsame Studiengänge braucht. Die Universitäten sollten untereinander mehr kooperieren und könnten dadurch viel effizienter werden.

Der französische Staatspräsident kam versöhnlich zu dem Schluss: „Es gibt viele Diskussionen und immer wird es dabei Übersetzer geben, es wird Unübersetzbares geben, es wird Missverständnisse geben.“ Aber letztlich sei es auch so, dass diese kleinen Unvollkommenheiten den Gedanken Europas vorantreiben. Und auch jetzt folgte begeisterter Applaus von 1.000 Studierenden, die erneut aufgestanden waren und von denen sich etliche zur Bühne begaben, ihre Handys zückten und sich über die Bereitschaft von Emmanuel Macron zu zahlreichen Selfies freuten.

Redaktion: Presse und Kommunikation