Musik:

 

Die universale Sprache der Gefühle? Ergebnisse aus einem interkulturellen Experiment

 

Professorin Melanie Wald-Fuhrmann, MPI für empirische Ästhetik

Freitag, 13. April 2018, 12 bis 13:30 Uhr, Gästehaus der RWTH

Zum Thema

Musik als ein Mittel der Verständigung, das die Grenzen von Ländern, Sprachen und Überzeugungen überwindet: Das wäre einfach zu schön. Und so findet sich seit dem 18. Jahrhundert in der westlichen Musikästhetik die Idee, Musik sei die Sprache der Gefühle und als solche unmittelbar verständlich. Seit dem späten 19. Jahrhundert führen Psychologen auch Studien dazu durch und erheben, welche akustischen und musikalischen Elemente zu welchen Ausdruckszuschreibungen führen. Ein Problem dieser Studien war lange, dass sie nur westliche Hörer zu westlicher Musik befragten. Generalisierende Schlussfolgerungen lassen sich daraus nicht ziehen. Seit knapp 30 Jahren entstehen indes vereinzelt Studien, die diese Zusammenhänge auch für Konstellationen untersuchen, in denen Hörern die zu bewertende Musik kulturell nicht vertraut ist. Die Ergebnisse werden in den Medien oft enthusiastisch als endgültige Beweise für die Idee einer universalen Verständlichkeit von Musik gefeiert.

Im Vortrag sollen diese Studien und die ihnen zugrundeliegende Idee einer ideengeschichtlichen und musikwissenschaftlichen Kritik unterzogen werden. Hauptsächlich aber werden Ergebnisse einer eigenen kulturvergleichenden Studie präsentiert: Wie steht es um die universale Verständlichkeit der Musik, wenn wir genauer hinschauen? Und wie gelangen Menschen eigentlich zu einem Eindruck einer ihnen fremden Musik?

 

Die Dozentin

Professorin Melanie Wald-Fuhrmann studierte von 1997 bis 2002 Musikwissenschaft und altgriechischen
Philologie in Rostock, Marburg, Salzburg und an der FU Berlin (Magister-Abschluss an der FU). Von 2003 bis 2010 arbeitete sie am musikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich, zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin, dann als Assistentin und Oberassistentin. Hier promovierte Dr. Wald-Fuhrmann 2005. Ihre Arbeit wurde 2009 mit dem Max-Weber-Preis der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet. 2009 erfolgte ihre Habilitation zum Thema Melancholie in der Instrumentalmusik um 1800. Auch diese Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Hermann-Abert-Preis der Gesellschaft für Musikforschung. 2010/11 war Dr. Wald-Fuhrmann Professorin für Musikwissenschaft an der Musikhochschule Lübeck. Von 2011 bis März 2013 lehrte sie an der Humboldt-
Universität zu Berlin als Professorin für Musiksoziologie und historische Anthropologie der Musik. Seit 2013 ist sie eine der zurzeit zwei Direktoren des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main. Zudem war sie zwischen 2011 und 2013 Leiterin des Berliner Lautarchivs, einer Sammlung der Humboldt-Universität.