Ein lebendiges Labor entsteht

27.09.2018

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Horizon-2020-Projekt ermöglicht naturnahe Stadtentwicklung für alte Industrieorte. Aachener Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur koordiniert das internationale Vorhaben. Startschuss in Dortmund gefallen.

 

In der Alten Schmiede in Dortmund-Huckarde als einem der drei Hauptorte ist nun das Horizon-2020-Projekt „productive Green Infrastructure for post-industrial urban regeneration“ (proGIreg) gestartet. Federführend bei diesem europäischen Großprojekt ist der Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen um Professor Frank Lohrberg. „Das Ziel ist eine produktive grüne Infrastruktur für die Regeneration alter Industriestädte, es soll naturnahe Stadtentwicklungsmaßnahmen in benachteiligten Stadtteilen auf den Weg bringen“, erläutert Lohrberg. Dortmund ist eine der sogenannten Frontrunner-Städte, die anderen beiden sind Turin (mit den alten Automobilwerken) und Zagreb (mit einem ausgedienten Schlachthof samt Wurstwarenfabrik).

Beteiligt sind sechs Universitäten, neben den drei Frontrunner-Städten sieben weitere Kommunen, die die Projekte nachahmen sollen, acht kleine und mittlere Unternehmen und sieben Nichtregierungsorganisationen (NGO). Der Aachener Lehrstuhl koordiniert das gesamte Vorhaben, die Europäische Union fördert es mit mehr als zehn Millionen Euro. „Das Projekt hat für die Fakultät für Architektur der RWTH Aachen den allerhöchsten Stellenwert“, erklärt der Dekan der Fakultät, Professor Alexander Markschies. Bei Horizon 2020 handelt es sich um das Forschungsrahmenprogramm der EU, zwischen 2014 und 2020 wurden und werden 75 Milliarden Euro in Forschungsprojekte investiert.

Die Aachener und ihre Partner – etwa FH Südwestfalen mit dem Team um Bernd Pölling – verfolgen in Dortmund unter anderem den Ansatz der Aquaponik. Das nährstoffreiche Wasser aus einer Fischzucht, die vor Ort aufgebaut werden kann, wird so gereinigt und der Fischkot direkt als Dünger für Pflanzen genutzt. Urban Farming lautet das Prinzip, bei dem Felder auch in Städten wachsen – in die Höhe und nicht unbedingt in die Breite.

Keine klinisch-reine Laborlandschaft

„Es soll keine klinisch-reine Laborlandschaft werden. Der Ansatz ist bewusst Low-Tec, damit die Anlage von Vereinen beziehungsweise den Menschen vor Ort betrieben werden kann und so auch ein Beschäftigungspotenzial geschaffen wird“, erläutert Dr.-Ing. Axel Timpe vom Aachener Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur. Weitere Bausteine des Dortmunder Projektes sind Maßnahmen zur Förderung der Insektenvielfalt und der Ausbau der ehemaligen Mülldeponie Deusenberg als Sportanlage mit Solarfeldern.

„Für die Stadt Dortmund hat die Aufwertung des Emscher-Grünzugs zwischen der Dorstfelder Brücke und der Kokerei Hansa Nord sehr große Bedeutung, einerseits weil der heute isoliert gelegene Grünzug besser in das umgebende Wegenetz eingebunden werden soll, andererseits weil der Bereich in die IGA-Gebietskulisse das Projekt „nordwärts“ und Stadterneuerungsprojekte integriert und somit auch die Gesamtstadt stärken wird“, erklärt der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Ullrich Sierau, der den Startschuss zum Projekt gab.

Begleitet wird die Arbeit in den Städten, die bis Sommer 2023 angesetzt ist, von Lehr- und Lernmodulen auf edX, einer Plattform für Massive Open Online Courses, also digitale Lehrveranstaltungen. Der freie Zugang zum Wissen, das im Rahmen des Projektes generiert wird, ist elementarer Bestandteil des Horizon-2020-Projektes. Entsprechende Module zum Thema „Nature-based solutions“ sind in der Vorbereitung.

Redaktion: Presse und Kommunikation