Das Aachen Shield – Behelfsvisier für medizinisches Personal erreicht in Rekordzeit Serienreife

29.04.2020
Ein Mann und eine Frau arbeiten an einem Visier Urheberrecht: Peter Winandy

Perfektes Rapid Prototyping in der Technologieregion Aachen.

Kontakt

Telefon

work
+49 241 80 21050

E-Mail

E-Mail
 

Vielerorts engagieren sich derzeit Menschen, um dringend benötigte Hilfsmittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu fertigen. Auch in Aachen startete unter dem Titel „fightcorona.ac“ eine Initiative. Ziel ist unter anderem die Fertigung eines Behelfsvisiers für medizinisches Personal mit intensivem Patientenkontakt. Inzwischen können bis zu 1.500 so genannte Faceshields pro Tag an der RWTH Aachen produziert werden. „Das ist Rapid Prototyping in Perfektion: Durch 3D-Druck und ähnliche Verfahren lässt sich innerhalb weniger Stunden aus einem 3D-Modell im Computer ein Prototyp fertigen, testen und das Design direkt anpassen“, so RWTH-Professor Jan Borchers, Initiator der Initiative fightcorona.ac.

Die beteiligten Unternehmen der Technologieregion Aachen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der RWTH sowie weitere Engagierte wollten nicht 3D-Designs aus dem Internet nachdrucken, da diese möglicherweise nicht den Anforderungen des medizinischen Personals genügten. Sie suchten daher den Dialog mit Ärztinnen und Ärzten der Uniklinik RWTH Aachen und des Luisenhospitals Aachen. „Morgens wurden Prototypen an die beiden Krankenhäuser zum Testen gegeben, nachmittags kam bereits das Feedback, abends haben wir das 3D-Design überarbeitet. Nachts wurde dieses von der lokalen Community 3D-gedruckt, am nächsten Morgen konnte die überarbeitete Version getestet werden. So haben wir über zwei Wochen unser Aachen Shield optimiert“, berichtet Borchers. Er ist Inhaber des RWTH-Lehrstuhls für Informatik 10 (Medieninformatik und Mensch-Computer-Interaktion) und Leiter des Fab Labs Aachen. „Nach diesen zwei Wochen war das Aachen Shield – insbesondere durch das Engagement der Aachener Start-ups Laserkatze und nevisQ – soweit, dass unsere Testpersonen in den Krankenhäusern es einsetzen wollten und es sodann positiv bewerteten. Das Institut für Kunststoffverarbeitung ermöglichte anschließend in nur wenigen Tagen eine Serienfertigung in Spritzguss. Inzwischen haben wir die Uniklinik und viele andere Krankenhäuser, Arztpraxen und Rettungsdienste der Region mit dem Aachen Shield versorgt.“

Die Teams von fightcorona.ac organisieren sich über eine Slack-Workspace im Internet. Inzwischen sind rund 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Start-ups, etablierte Unternehmen aus dem Rapid Prototyping, aber auch viele Privatpersonen, die als so genannte Maker ihre Zeit und technische Expertise investieren, dort aktiv. „Ohne diese Vernetzung wären wir nie so schnell zu einem so guten Ergebnis gekommen. Das ist die Stärke einer solchen regionalen Initiative: Man kennt sich, man weiß, was jeder leisten kann, und manch einen lockt die lokale Ansprache aus der Reserve“, analysiert Borchers. Er ergänzt: „Natürlich ist dieses Shield wie alle Projekte unserer Initiative kein medizinisch getestetes oder zertifiziertes Produkt. Es kann nur eine vorhandene Schutzausrüstung ergänzen. Wir hoffen aber, dass die Entwicklung auch für andere Krankenhäuser attraktiv wird und wir so überregional helfen können."

Bild

RWTH-Professor Jan Borchers und Doktorandin Anke Brocker bei der Erstellung der Faceshields.