RWTH-Professor Antonello Monti erhält den Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen

24.05.2022
Professor Antonello Monti Urheberrecht: © Peter Winandy

Wissenschaftler leistet Pionierarbeit bei der Digitalisierung der Energiesysteme.

 

Professor Antonello Monti gilt als Pionier bei der Entwicklung von Echtzeitsimulationen und sogenannter Hardware in the Loop für die Digitalisierung der Energiesysteme. Nun wird der Inhaber des Lehrstuhls für Automation of Complex Power Systems der RWTH Aachen mit dem mit 100.000 Euro dotierten Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen in der Kategorie „Innovation“ ausgezeichnet. Der Preis ist nach dem Zukunftspreis des Bundespräsidenten die höchstdotierte Auszeichnung dieser Art in Deutschland. Er wird in den Kategorien „Ehrenpreis“, „Innovation“ und „Nachwuchs“ vergeben. Mit der Verleihung würdigt das Land exzellente Forschung mit besonderer gesellschaftlicher Bedeutung, wissenschaftlichem Potenzial und Relevanz in der Anwendung. Die Auszeichnung erhielt er gestern aus den Händen von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Professor Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes.

Pinkwart betonte: „Wirtschaft und Gesellschaft haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2045 wollen wir in Nordrhein-Westfalen klimaneutral wirtschaften. Damit diese Transformation gelingt, stellen wir die Energieversorgung Schritt für Schritt auf Erneuerbare Energien um. Das stellt die Stromverteilnetze vor riesige Herausforderungen. Professor Monti und sein Team haben eine Plattform entwickelt, um die Kapazitäten bestehender Netze besser zu nutzen und so den Ausbau der Erneuerbaren zu unterstützen. Solche innovativen Lösungen können die Energiewende erleichtern und die Akzeptanz von Bürgerinnen und Bürgern stärken.“

Konzept zur Automatisierung moderner Energienetze

Montis Innovation befasst sich mit einem neuen Konzept zur Automatisierung moderner Energienetze. In der Vergangenheit wurden Automatisierungslösungen als monolithische Produkte von einem einzigen Unternehmen realisiert. „In meiner Gruppe haben wir ein neues Konzept entwickelt, das auf modernen IT-Lösungen basiert und einen modularen Ansatz ermöglicht. Unser Konzept wurde als Open Source entwickelt, um die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten und die Schaffung eines offenen Ökosystems zu fördern“, erklärt Professor Monti.

Elektrische Verteilnetze stehen im Mittelpunkt der Energiewende, da die meisten erneuerbaren Energien an Nieder- und Mittelspannungsnetzen angeschlossen sind. Durch die sich wandelnde Rolle von Verteilnetzen sind neuartige Lösungen zur Orchestrierung der Netzelemente erforderlich. Dies geht einher mit der Notwendigkeit von Digitalisierungslösungen für die Verteilnetze, wodurch gleichzeitig die technischen Möglichkeiten für neue Dienstleistungen sowie neue Marktteilnehmer bereitet werden. Hier setzt Professor Montis Forschung an. Im Rahmen des durch die Europäische Kommission geförderten Horizont 2020-Forschungsprojekts SOGNO hat sein Institut für Automation of Complex Power Systems (ACS) an der RWTH Aachen eine innovative Software-Plattform entwickelt, die die veränderten Anforderungen bedient.

Internet of Things

Die SOGNO-Plattform nutzt Konzepte und Methoden aus der Welt des Internet of Things und adaptiert einen auf Mikro-Services basierenden Ansatz. Die Verwendung von diesen sogenannten Mirko-Services ermöglicht eine modulare Softwarearchitektur, in der Automatisierungsfunktionen als einzelne, unabhängige Dienstleistungspakete implementiert sind. Kürzlich wurde die Plattform von der Linux Foundation Energy aufgegriffen, um ein weltweites Projekt zu erstellen.

„Mit der Plattform sollen die Voraussetzungen für eine höhere Durchdringung erneuerbarer Energiequellen durch eine optimierte Nutzung der Infrastruktur geschaffen werden, um übermäßige Investitionen in neue Stromleitungen zu vermeiden. Darüber hinaus ermöglicht SOGNO durch Flexibilitätsmechanismen die Beteiligung der Kunden an der Netzverwaltung und schafft so die Voraussetzungen für einen faireren Energiemarkt“, erläutert Professor Monti.

Der 56-Jährige ist seit 2008 Professor an der RWTH, zuvor war er an der University of South Carolina in den USA und als Juniorprofessor an der Politecnico di Milano in seiner Heimat Italien. Im Jahr 2020 wurde er als Koordinator des Horizont 2020-Projekts OneNet ausgewählt, dem größten von der Europäischen Kommission finanzierten Forschungsprojekt im Bereich der elektrischen Netze. Er koordiniert 72 Partner in ganz Europa mit einem Budget von etwa 30 Millionen Euro. Er war der erste Europäer, der mit dem IEEE Field Medal Award für Innovation in öffentlichen Infrastrukturen ausgezeichnet wurde.

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Leistet Pionierarbeit bei der Digitalisierung der Energiesysteme: Professor Antonello Monti, Inhaber des Lehrstuhls für Automation of Complex Power Systems der RWTH Aachen.