Interview mit Kerstin Platt

  Kerstin Platt Urheberrecht: © RWTH

Nach zwei Jahren Coronapandemie haben viele Studierende mit Motivationsproblemen, Entscheidungsschwierigkeiten und Erschöpfungszuständen zu kämpfen. Online-Lehre beziehungsweise der Wechsel zwischen Präsenz- und Online-Unterricht, der Wegfall des sozialen Lebens und die allgemeine Unsicherheit nagen an den Kräften, wie Diplom-Psychologin Kerstin Platt weiß. Wir haben uns bei der Leiterin der Psychologischen Beratung innerhalb der Zentralen Studienberatung der RWTH erkundigt, wie sie die allgemeine Lage einschätzt.

RWTH: Frau Platt, mit welchen Problemen kommen die Studierenden in letzter Zeit auf Sie zu?

Platt: Konzentrations- und Motivationsprobleme stehen ganz oben auf der Liste. Studieren ist oft hartes Brot und erfordert Selbstdisziplin. Der mentale Ausgleich durch Sport- und Freizeitaktivitäten, Treffen mit Freunden oder sonstiges Engagement war und ist sehr wichtig für die jungen Menschen. Wir hören von Vielen, dass sie sich entkräftet fühlen. „Ich will nicht mehr Bildschirm!“, hat kürzlich jemand gesagt. Ein Teil der Studis kann zuhause schlecht lernen, weil dort die Ablenkung groß ist. Geschlossene oder zu wenige Lernräume haben dieses Problem verschlimmert. Einige Personen sind wegen des Wegfalls ihres Nebenjobs in eine finanzielle Schieflage geraten. All das äußert sich in Stimmungsschwankungen und Ängsten.

RWTH: Wer ist besonders betroffen?

Platt: Für Internationals ist es oft sehr hart, weil sie sich neben den erwähnten Problemen auch noch ständig um ändernde Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen kümmern müssen. Wer im Ausland studiert, ist immer darauf angewiesen, Freunde zu finden. Da ist in Online-Meetings – und dazu kommt oft noch die Sprachbarriere – sehr schwer. Nicht zu vergessen sind Studierende, die vor dem Abschluss stehen. Sie müssen gesteigerte Eigenmotivation aufbringen, weil sie nicht mehr so angeleitet werden wie in den ersten Semestern. Auch das ist in Corona schwieriger geworden.

RWTH: Wie reagiert das Angebot der ZSB darauf?

Platt: Unsere Studientrainings, etwa „Konzentration verbessern“, „Anpacken statt Aufschieben“ oder „Keine Angst vor Prüfungsangst“, werden sehr gut angenommen. Auch mit Video- und Audio-Tutorials versuchen wir, die Studierendenschaft zu erreichen. Außerdem wollen wir gemeinsam mit anderen Akteuren wie dem Studentischen Gesundheitsmanagement, dem AStA oder dem International Office in diesem Jahr den Themenkomplex „Depression, Stress und Burnout“ in den Fokus rücken. Hier geht es darum, gemeinsam nachhaltige Maßnahmen zu entwickeln, mit denen Studierenden geholfen werden kann.