Foodsharing

  Frau mit Lebensmitteln Urheberrecht: © Andreas Herrmann

Na klar, alle von uns haben schon mal Essen weggeworfen. Und die meisten von uns hatten ein schlechtes Gewissen dabei. Zu Recht: Laut der Initiative foodsharing landet in Deutschland ein gutes Drittel der produzierten Lebensmittel in der Mülltonne. Und nach einer Schätzung des WWF werden zehn Prozent aller Treibhausgasemissionen weltweit – wenn man Anbau, Ernte, Verpackung, Transport und Lagerung mit einberechnet – allein durch das Wegwerfen von Lebensmitteln verursacht. „Bei foodsharing versuchen wir, möglichst viele aussortierte, aber noch genießbare Lebensmittel zu retten“, erklärt Dr. Sandra Kiefer vom RWTH-Lehrstuhl für Informatik 7. „Sei es das übriggebliebene Gemüse vom Laden an der Ecke oder belegte Brötchen von der Bäckereikette.“

Auf ehrenamtlicher Basis holt die studierte Mathematikerin und Bioinformatikerin nach der Arbeit und am Wochenende diese Lebensmittel bei kooperierenden Betrieben ab. „Nach Festen wie Ostern oder Weihnachten ist zum Beispiel viel Saisonware übrig“, sagt Kiefer. „Dazu bleibt oft krumm gewachsenes Obst und Gemüse liegen – oder die Mehltüte hat ein Loch. Manchmal ist auch das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Produktes überschritten – wir bewerten sorgfältig und in Eigenverantwortung, was noch genießbar ist.“ Hin und wieder fällt auch mal eine Ladung Tierfutter oder Katzenstreu an. Die foodsharing-Betriebsverantwortlichen stimmen mit den kooperierenden Betrieben die gewünschten Abholtermine ab; über die foodsharing-Webseite organisieren die Freiwilligen dann die Rettungen. „Die Betriebe freuen sich über die Gewissheit, dass die Lebensmittel noch sinnvolle Verwendung finden“, sagt Kiefer. „Zudem wird ihnen durch die Abholteams Aufräumarbeit abgenommen.“ Einige nähmen die langfristige Kooperation mit foodsharing sogar als Anlass, die eigene Überproduktion zu analysieren und einzudämmen.

Neben den Abholterminen bietet die foodsharing-Webseite Privatpersonen die Möglichkeit, Lebensmittel in Form von „Essenskörben“ untereinander weiterzuverschenken. In Aachen gibt es außerdem sogenannte „Fairteiler“, also Regale und Schränke, über die Lebensmittel unkompliziert weitergegeben werden können. Einer davon ist an der Rütscher Straße – dort decken sich gerne auch Studierende ein. „Natürlich nutzen auch Bedürftige das Angebot, doch prinzipiell steht es allen offen“, sagt Kiefer. „Für uns ist vorrangig wichtig, dass so wenige Lebensmittel wie möglich in der Tonne landen.“