REVIERa – Aktiv beim Strukturwandel im Rheinischen Revier

 

Die RWTH Aachen begleitet den Strukturwandel im Rheinischen Revier mit ihrer Transformationsplattform REVIERa.

 

Der beschlossene Braunkohleausstieg bedingt einen tiefgreifenden Strukturwandel im Rheinischen Revier, der nicht nur für die betroffene Region, ihre Ballungsräume und das Land Nordrhein-Westfalen von Interesse ist. Warum? Weil das Rheinische Revier die erste klimaneutrale Region Europas werden kann. Weil im Strukturwandel zahlreiche Chancen für einen vorbildhaften und erfolgreichen Neuanfang der Modellregion liegen: angefangen bei einer CO2-neutralen Energieversorgung, möglichst geschlossenen Ressourcenkreisläufen und neuen ansprechenden Standorten für das Wohnen, Arbeiten und die Freizeitgestaltung.

Hier liegt ein großes Potenzial, sehr vieles, das sich auch auf andere Regionen übertragen lässt. Mit der fakultätsübergreifenden und interdisziplinär ausgerichteten Transformationsplattform REVIERa, die sich ständig in einem offenen Prozess weiterentwickelt, hat die RWTH eine Möglichkeit für eine aktive Begleitung des Wandels und eine Vernetzung der Hochschule in die Region eingerichtet.

Die RWTH sieht ihre Verantwortung als eine der führenden Technischen Universitäten in der Mitentwicklung von Transformationsangeboten und der Erarbeitung langfristiger Perspektiven, die den Strukturwandel in den nächsten Jahren unterstützen können. Immer auf der Grundlage ihrer Forschung und im Dialog mit Partnerinnen und Partnern des Rheinischen Reviers.

Zielsetzung: Stärkung des Austauschs zwischen Wissenschaft und Praxis

Der Ausstieg aus der Braunkohle hat massive soziale, räumliche und technologische Veränderungen zur Folge, die auch bestehende Wertesysteme betreffen. REVIERa konkretisiert mit methodisch neu entwickelten Ansätzen Transformationsaufgaben, die sie mit globalen Nachhaltigkeitszielen verbindet, erarbeitet langfristige Perspektiven, setzt Impulse bei den angeschobenen Transformationsprozessen.

REVIERa hat sich das Ziel gesetzt, den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu stärken und damit die Umwandlungsgestaltung des Rheinischen Reviers zu unterstützen. Dazu findet einerseits ein interdisziplinärer Austausch zwischen Forscherinnen und Forschern der Hochschule statt und andererseits eine enge Zusammenarbeit mit den Akteurinnen und Akteuren aus dem Rheinischen Revier.

Der dialogorientierte Prozess ist gewollt offen, mit ihm schafft die RWTH eine neue Wissens-, Innovations- und Kommunikationskultur und entspricht damit auch der Umsetzung ihres Zukunftskonzepts als eine integrierte, interdisziplinäre Technische Universität.

Der Anfang liegt in einer fakultätsübergreifenden Initiative

Die Transformationsplattform REVIERa entstand Mitte 2019 aus einer fakultätsübergreifenden Initiative einer Gruppe von Forscherinnen und Forschern der RWTH. Im Juli und November 2019 haben sich etwa 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule im Rahmen zweier Workshops untereinander vernetzt und zur Transformation im Rheinischen Revier im Zuge des beschlossenen Braunkohleausstiegs zusammengearbeitet.

Bei einem Auftaktworkshop am 10. Februar 2020 eröffnete REVIERa den Dialog mit zahlreichen Akteurinnen und Akteuren des Rheinischen Reviers. Handlungsfelder für die tiefgreifende Transformation im Revier wurden erkannt und Ziele für eine nachhaltige Entwicklung diskutiert. 

Eingeladen wurden Akteurinnen und Akteure aus den vier Bereichen:

  • Staat mit Verwaltung und Politik aus Kommunen, Kreisen, Regierungsbezirken und dem Land
  • Wirtschaft mit großen Arbeitgebern, mittelständischen Unternehmen, Start-ups, Entwicklungsgesellschaften und Immobilienwirtschaft
  • Zivilgesellschaft mit Vereinen, Initiativen, Jugendverbänden, Studierenden
  • Hochschulen rund um das Rheinische Revier, Kammern, Gewerkschaften, Kirchen, Stiftungen

Unter anderem wurde im Rahmen des Workshops folgende Erwartung an die Aachener Hochschule formuliert:

Von der RWTH werden Lösungen in Bezug auf Zukunftsthemen wie Energie, Ressourcen, Mobilität, Ökologie, Landwirtschaft erwartet – diese gilt es bekannt zu machen und gemeinsam mit Akteuren vor Ort für die Anwendung in der Region zu projektieren.

Wie kann die Entwicklung der Modellregion aussehen?

Lokales und regionales Handeln auf der einen Seite und globale Herausforderungen auf der anderen Seite bedingen mehrere Orientierungsfragen, vor allem die nach einer möglichen Entwicklung der Modellregion.

Unter Berücksichtigung sowohl der Übereinstimmungen als auch der Divergenzen bezüglich anvisierter Zielsetzungen im Rheinischen Revier wurden mögliche Lösungswege identifiziert. Dazu entwickelte die RWTH intern sowie mit diversen Partnerinnen und Partnern aus der Praxis einen sogenannten Transformationskompass. Dieser dient als eine der Grundlagen für eine Kommunikation zwischen einzelnen Gruppen im Hinblick auf zugrundeliegende Werte und angestrebte Ziele.

 

Der Transformationskompass und seine Dimensionen

Ökologische Nachhaltigkeit und Klimaneutralität erreichen

Die globalen Sustainable Development Goals, kurz SDGs, sollen Richtschnur für die gesellschaftliche, technologische und räumliche Entwicklung des Reviers als Modellregion sein. Die Klima- und Ressourcenkrise ist entscheidender Anlass für den Wandel im Revier – und auch Ansporn, um nachhaltige und robuste Lösungen für eine sich zunehmend schneller verändernde und krisenanfällige Welt zu entwickeln.

Entwicklung ermöglichen

Wandel lässt sich nicht exakt vorausplanen. Im Rheinischen Braunkohlerevier ist Wandel über einen langen Zeitraum zu gestalten. Daher ist es wichtig, dass Projekte und Aktivitäten Impulse geben, Entwicklung nachhaltig anstoßen und Optionen für unterschiedliche Lösungen offenhalten.

Lebensqualität vor Ort schaffen

Die Lebensqualität der Menschen im Rheinischen Revier soll zentraler Maßstab der Transformation sein. Diese gilt es zu halten und dort auszubauen, wo heute Defizite wahrgenommen werden oder in Zukunft neue Bedürfnisse entstehen. Die Diskussion über das, was die Menschen unter Lebensqualität, also dem „guten Leben“ verstehen, soll Teil der gemeinsamen Diskussion und Gestaltung von Wandel sein.

Neue Formen der Wertschöpfung generieren

Wertschöpfung ist Lebensgrundlage für die Menschen im Revier – das Revier hat das Potenzial, eine produktive Region mit Mehrwert auch für die benachbarten Ballungsräume zu sein. Diese Produktivität gilt es auf relevante Zukunftsaufgaben und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen neu auszurichten.

Inklusion und Partizipation leben

Die anstehenden Prozesse tiefgreifender Veränderungen im Rheinischen Revier sollen durch Offenheit und Transparenz, Dialoge auf Augenhöhe, Möglichkeiten der Mitwirkung und der aktiven Mitgestaltung gekennzeichnet sein. Die Ansprache und Teilhabe aller Gruppen der Bevölkerung muss ein wesentliches Prozessmerkmal sein.

 

Projekte, Impulse und Ideen zur Gestaltung des Strukturwandels

  REVIERa Projektblume  

Im Oktober 2020 nahmen 145 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer von REVIERa veranstalteten digitalen Projektwerkstatt teil. Bis dato dokumentierte Projektentwicklungen der RWTH wurden vorgestellt, mögliche Vernetzungs- und Transformationspotenziale besprochen, ebenso Wünsche und Anforderungen der Akteurinnen und Akteure des Rheinischen Reviers.

Im Vorfeld hat die Aachener Hochschule Projekte, Impulse und Ideen mit RWTH-Beteiligung zusammengetragen.

Bei den 74 Projekten, Impulsen und Ideen zur Gestaltung des Strukturwandels im Rheinischen Revier wirkten unterschiedliche Fakultäten, Forschungsinstitute, Einrichtungen und Disziplinen mit.

Die gesammelten Projekte, Impulse und Ideen können den folgenden Innovationsbereichen zugeordnet werden:

 

REVIERa – Interdisziplinäre Kerngruppe

  1. Professorin Dr. Agnes Förster
    Inhaberin des Lehrstuhls für Planungstheorie und Stadtentwicklung an der Fakultät für Architektur
  2. Professor Dr. Stefan Böschen
    Inhaber des Lehrstuhls für Technik und Gesellschaft an der Philosophischen Fakultät
  3. Professor Dr. Peter Letmathe
    Inhaber des Lehrstuhls für Controlling und seit 2018 Dekan an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
 
  • Energie
  • Künstliche Intelligenz (KI) und Information
  • Mobilität
  • Gesundheit
  • Produktion
  • Stoffe und Kreisläufe
  • Produktive Landschaft

Ergänzend dazu bieten sie diverse Beiträge zur Transformation im Rheinischen Revier aus den vier Bereichen:

  • Infrastruktur
  • Beteiligung
  • Innovation und Markt
  • Werte und Wissen

Alle Projekte, Impulse und Ideen können in Form eines Booklets oder einer digitalen Projektlandkarte eingesehen werden, was ihre gewollte Transparenz unterstreicht.

 
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Erklär's mir, RWTH!: Professorin Agnes Förster über REVIERa

 
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Erklär's mir, RWTH: Professor Peter Letmathe über Transformation

 
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Erklär's mir, RWTH!: Professor Stefan Böschen über (Struktur-)wandel

 

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