Equal Care

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Magdalena Marsiglia

Pflegeberatung, Studieren mit Kind

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Die RWTH Aachen unterstützt gleichberechtigte Sorgearbeit

  1. Der Familienservice des Gleichstellungsbüros bietet Beratung zum Thema Vereinbarkeit von Studium/Beruf und Familie an. Diese richtet sich an (werdende) Eltern, die an der RWTH beschäftigt sind, an studierende (werdende) Eltern sowie an Hochschulangehörige mit Pflegeaufgaben.
  2. Das Gleichstellungsbüro unterstützt hochschulangehörige Väter, Familie und Beruf beziehungsweise Studium miteinander zu vereinbaren. Im Rahmen der Väterarbeit an der RWTH werden regelmäßig Veranstaltungen, Aktionen und Sensibilisierungsmaßnahmen rund um das Thema Vaterschaft an der Hochschule angeboten.
  3. Mit dem Projekt Gleichberechtigte Karrierewege werden neue Wege zur partnerschaftlichen Aufteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit aufgezeigt. Studierende, Promovierende und Post-Docs bekommen die Möglichkeit, sich in Workshops und Coachings der Thematik auseinanderzusetzen, ihre Karriere zu planen, eigene Vorstellungen und Ziele zu verfolgen und zu kommunizieren. Beschäftigte und Führungskräfte an der Hochschule werden über alternative Arbeitsformen sowie Arbeitszeitmodelle, die gleichberechtigte Karrierewege ermöglichen, informiert.
  4. Der Welcome und Dual Career Service der RWTH unterstützt Doppelkarrierepaar beim Neustart in Aachen.
  5. Im Rahmen der Personalentwicklung werden für die verschiedenen Zielgruppen an der Hochschule Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen angeboten, in denen auch das Thema Work-Life-Balance adressiert wird.
  6. Mit der Handreichung Goldene Regeln einer familiengerechten Personalführung werden Führungskräfte in der Wahrnehmung ihrer Personalverantwortung unterstützt.
  7. Der jährlich verliehene Preis FAMOS für FAMILIE zeichnet Führungskräfte aus, denen eine familiengerechte Personalführung bereits hervorragend gelingt.
 

Care-Arbeit – oder auch Sorgearbeit – umfasst Tätigkeiten wie zum Beispiel Hausarbeit, Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen. Zu einem großen Teil werden diese Arbeiten unentgeltlich erledigt – und das mehrheitlich von Frauen. Auf der ganzen Welt ist Sorgearbeit vor allem Frauensache, wie eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation, kurz ILO, belegt:

Frauen verrichten etwa viermal mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer. In Deutschland leisten Frauen täglich vier Stunden und 13 Minuten Care-Arbeit, Männer kommen auf zwei Stunden und 46 Minuten, so der Zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Somit liegt der sogenannte Gender Care Gap in Deutschland bei rund 52 Prozent.

Selbst wenn Frauen Vollzeit erwerbstätig sind, leisten sie einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge noch 1,4 mal mehr Hausarbeit und das 1,5 fache an Sorgearbeit im Vergleich zu Vollzeit erwerbstätigen Männern. Die Kombination aus Erwerbs- und Care-Arbeit kann schnell zur Überlastung führen. Denn mit Kinderbetreuung und putzen ist die Sorgearbeit ja nicht getan: Es muss organisiert, geplant, erinnert und mitgedacht werden, damit das Familienleben funktioniert. Auch diese Planungs- und Koordinierungsprozesse übernehmen weitestgehend die Frauen. So entsteht bei ihnen ein dauerhaft erhöhter Mental Load.

Dass Frauen die Hauptlast der unbezahlten Arbeiten tragen, hat – neben der Überlastung – weitere negative Folgen: Die Frauen stehen dem Arbeitsmarkt nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung, verdienen folglich weniger Geld und erlangen dadurch geringere Rentenansprüche. Bei Männern hingegen ist Teilzeit die Ausnahme. So wird der Gender Care Gap zum Gender Pay Gap und schließlich zum Gender Pension Gap. Zudem geht damit auch eine gewisse Hierarchie einher: Das eine wird bezahlt und gesellschaftlich wertgeschätzt, das andere wird im privaten Bereich unbezahlt verrichtet – und bleibt somit unsichtbar. Dies führt letztendlich zu einer ungleichen Verteilung von Macht, Mitbestimmung und Mitgestaltung in unserer Gesellschaft.

Obwohl unser Zusammenleben ohne Care-Arbeit nicht funktionieren würde, erfährt diese nur geringe Anerkennung. Das wird nicht zuletzt in der geringen Entlohnung von Care-Berufen deutlich. Selbst wenn also Sorgetätigkeiten ausgelagert werden, dann verdienen die Personen, die diese Arbeit verrichten, oft nur wenig Geld und haben kaum die Möglichkeit, angemessen für das Alter vorzusorgen. Und es sind ebenfalls Frauen, die den Großteil der Beschäftigten in dieser Branche ausmachen. Neben der geringen Entlohnung und geringen Wertschätzung der Care-Berufe bleibt auch unbeachtet, dass die Pflege anderer Menschen gewinnbringend sein kann: Sie ist ein Gewinn an Persönlichkeit, an Entwicklung und Beziehung – für alle Geschlechter!

Wir möchten gemeinsam mit allen Hochschulangehörigen daran arbeiten, eine partnerschaftliche Sorgearbeit möglich zu machen, um so gleichberechtigte Chancen für alle zu schaffen. Es muss ein Bewusstsein dafür entstehen, welche Ungerechtigkeiten mit der ungleichen Verteilung von Care-Arbeit einhergehen. Denn Hochschulen und Unternehmen profitieren, wenn sie ihre Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen und eine egalitäre Aufgabenverteilung fördern.

Laut einer Studie der Roland Berger GmbH im Auftrag des BMFSFJ wird eine höhere Rendite erzielt, wenn Unternehmen gezielt in Vereinbarkeitsangebote investieren. Die Beschäftigten fallen seltener aus, sind motivierter und wechseln seltener das Unternehmen. Und neben der Zufriedenheit, die eine gleichberechtigte Partnerschaft gibt, profitieren – Untersuchungen einer Forschungsgruppe der Universität Bonn zufolge – auch die Kinder von einer egalitären Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit, denn diese wirkt sich positiv auf ihre Entwicklung aus. Für die Schulleistungen von Kindern und ihre Berufswahlkompetenz ist es wichtig, dass Mädchen und Jungen sich dieselben Dinge zutrauen. Traditionelle Rolleneinstellungen engen die Kinder zu sehr ein. Werden traditionelle Rollenmuster vorgelebt, glauben Kinder schnell, dass es für sie nur bestimmte Geschlechterrollen, sowie konforme Schulfächer und berufliche Perspektiven gibt.

Dies hat auch Auswirkungen auf die Hochschulen – insbesondere technische Hochschulen wie die RWTH Aachen. Denn gerade in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) liegen die Anteile von Studentinnen hier zum Teil bei unter 20 Prozent. Studien , unter anderem von McKinsey, belegen jedoch, dass divers aufgestellte Teams erfolgreicher sind.