Nachhaltigkeitsleitbild

  Zwei Männer halten Dokumente vor RWTH Hauptgebäude Urheberrecht: © Peter Winandy

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Annalena Böke

Stabsstelle Nachhaltigkeit und Hochschulgovernance

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Das Nachhaltigkeitsleitbild der RWTH Aachen University stellt als gemeinsames Commitment der ganzen Hochschule für nachhaltiges Handeln dar:

  • Wie verstehen wir Nachhaltigkeit?
  • Wonach streben wir gemeinsam in Bezug auf Nachhaltigkeit?

Ziel des Leitbildes ist es, mit dem Leitbild eine interne Synchronisation des Nachhaltigkeitsverständnisses, ein Bekenntnis aller Mitglieder der RWTH zu nachhaltigem Handeln und den internen Austausch zum Thema Nachhaltigkeit zu fördern. Gleichzeitig unterstützt das Leitbild eine aktive Positionierung der RWTH und kann für die Kommunikation an externe (Forschungs-)Partnerinnen und Partner genutzt werden.

Auf Basis der offenen Konsultationen vom 9. März bis 5. April und 12. bis 31. Mai 2021 wurde der Leitbildentwurf überarbeitet. Final wurde das Nachhaltigkeitsleitbild am 22. Juli 2021 im Senat, unter Beteiligung aller Gruppen der Hochschule, verabschiedet.

(…) Durch unser individuelles und gemeinschaftliches Handeln – sei es in Forschung, Lehre, Betrieb oder Governance – können wir Verantwortung übernehmen und zu einer nachhaltigeren RWTH beitragen. Nur gemeinsam können wir den bestmöglichen Beitrag zu einer zukunftsorientierten Gestaltung von Wissenschaft und Gesellschaft auf Dauer und verlässlich leisten. Diesem Ziel verpflichten wir uns.

 

Executive Summary

Wir, die Mitglieder der RWTH Aachen, verpflichten uns zum nachhaltigen Handeln sowohl im Hinblick auf unsere gesellschaftliche Aufgabe und den damit einhergehenden Bildungsauftrag als auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

  • Unser Ziel ist es, in einem partizipativen Prozess eine Vision für eine nachhaltige RWTH zu entwickeln, eine Roadmap mit konkreten Zielen für die RWTH zu erarbeiten und umzusetzen, diese kontinuierlich zu prüfen sowie weiterzuentwickeln. Um die RWTH als treibende Kraft einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft zu etablieren, orientieren wir unsere Entwicklungsziele an nationalen sowie internationalen Rahmenwerken, die auf der Agenda 2030 der Vereinten Nationen basieren.
  • Unser Ziel ist es, unsere Forschung nachhaltiger auszurichten, das Thema Nachhaltigkeit in allen Fakultäten und Profilbereichen zu verankern, in Forschungsprojekten mitzudenken und Lösungen für eine nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft bereit zu stellen.
  • Unser Ziel ist es, unsere Lehre nachhaltiger auszurichten, das Thema Nachhaltigkeit in allen Studiengängen zu verankern und die Befähigung unserer Lernenden und Lehrenden stärker zu fokussieren, mit innovativen Ideen die Lösungsentwicklung voranzutreiben.
  • Unser Ziel ist es, den Betrieb der RWTH Aachen University nachhaltiger auszurichten, unseren ökologischen Ressourcenverbrauch im Sinne der Klimaneutralität zu reduzieren und aktiv ein verantwortungsvolles, inklusives Miteinander zu gestalten.

Für uns hat Nachhaltigkeit Priorität und wird als wichtige Querschnittsaufgabe ebenso wie Gender and Diversity, Transfer und Internationalisierung in allen Bereichen der Hochschule verankert. Die Stabsstelle Nachhaltigkeit und Hochschulgovernance hat die Aufgabe, den kontinuierlichen Entwicklungsprozess zu einer nachhaltigeren RWTH voranzutreiben. Dafür bedarf es jedoch nicht nur förderlicher institutioneller Strukturen: Es liegt an uns allen, den Mitgliedern der RWTH. Durch unser individuelles und gemeinschaftliches Handeln – sei es in Forschung, Lehre, Betrieb oder Governance – können wir Verantwortung übernehmen und zu einer nachhaltigeren RWTH beitragen. Nur gemeinsam können wir den bestmöglichen Beitrag zu einer zukunftsorientierten Gestaltung von Wissenschaft und Gesellschaft auf Dauer und verlässlich leisten. Diesem Ziel verpflichten wir uns.

Präambel

In diesem Leitbild formulieren wir – die Mitglieder der RWTH – unser gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit an der RWTH. Es dient als Orientierungsrahmen und Grundlage für die Entwicklung einer Strategie sowie der Definition von Zielen und Maßnahmen, für unsere Transformation hin zu einer nachhaltigen Hochschule.

Wir formulieren und bekennen uns im Bewusstsein der Dringlichkeit der Klimakrise und der Relevanz der kommenden Dekade zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°Celsius. Als technische Hochschule, als wissenschaftliche Einrichtung, als Ausbilderin der folgenden Generationen, als Arbeitgeberin, als Teil der Stadt Aachen und Partnerin im wirtschaftlichen und alltäglichen Leben, sind wir uns unserer Verantwortung und Vorbildfunktion für die Gestaltung der Zukunft bewusst. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, Bildung, Wissenschaft und Innovation als dynamische Kräfte einer nachhaltigen Entwicklung zu nutzen. Dadurch stellen wir Lösungen für heutige und zukünftige Herausforderungen bereit – mit und für die Gesellschaft. Der Hochschulcampus bietet zudem die Möglichkeit, neue Konzepte zeitgemäßen Lebens und Arbeitens sowie Ideen aus der Forschung in Reallaboren zu testen und zu bewerten. Durch die Verwirklichung neuer Modelle regen wir dazu an, unsere Gesellschaft zu hinterfragen, mit kritischem Denken neue Wege zu gehen und Innovationen zu fördern.

Aufbauend auf dem Verständnis der Brundtland-Kommission der Vereinten Nationen verstehen wir nachhaltige Entwicklung als „eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“. Dabei erkennen wir im Sinne der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie „die planetaren Grenzen zusammen mit der Orientierung an einem Leben in Würde für alle“ als äußere Beschränkungen unserer Entwicklung an. Diesem umfassenden Verständnis folgend, bearbeiten wir die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und Soziales – in den Bereichen Forschung, Lehre, Betrieb und Governance, ergänzt um weitere Querschnittsaufgaben wie Transfer, Internationalisierung sowie Gender und Diversity. In Anlehnung an das Konzept „Hochschulen für nachhaltige Entwicklung“ der Hochschulrektorenkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission e.V. beinhaltet Nachhaltigkeit im globalen Zusammenhang für uns nicht nur eine „Generationengerechtigkeit“, sondern auch das Ziel „globaler Gerechtigkeit“

Forschung – Wissenschaft und Technik zum Nutzen der Gesellschaft

Unser Anspruch ist es, an der nationalen und internationalen Spitze des wissenschaftlichen Fortschritts und der Entwicklung und Umsetzung von nachhaltigen Lösungen für die heutigen und zukünftigen Herausforderungen zu stehen. Dabei schaffen wir geeignete Rahmenbedingungen, um durch den der RWTH eigenen, integrierten und interdisziplinären Ansatz Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung zu erbringen. Durch eine ganzheitliche, chancengerechte Herangehensweise und im Sinne der Sustainable Development Goals, kurz SDGs, der Vereinten Nationen, tragen wir zu einem global balancierteren Wissenschaftssystem bei. Wir verfolgen transparente, vernetzte Ansätze, um die direkten Auswirkungen der Forschung auf die Gesellschaft zu erhöhen und mit zukunftsorientierter Lehre zu vereinen, wie im Center for Circular Economy, kurz CCE, und vielen anderen Projekten. Die Qualifizierung und Förderung unseres wissenschaftlichen Nachwuchses hat dabei oberste Priorität.

Wir fördern nachhaltige Entwicklungen über unsere hochschuleigenen Grenzen hinaus. Dazu gehört, dass wir den Universitätscampus aktiv gestalten. Er ist unser unmittelbarer Lebensraum und als Teil der Stadt Aachen eng verknüpft mit dem Rheinischen Braunkohlerevier, das wir durch unsere wissenschaftliche Expertise mit entwickeln. Wir nutzen das Potential der Zusammenführung und des gemeinsamen Gestaltens dieser Transformation durch Menschen einer vielfältigen Gesellschaft. Unsere Stärken im interdisziplinären und internationalen Arbeiten nutzen wir, um Menschen verschiedener Fachrichtungen und Nationen zusammenzubringen und so Lehre und Forschung mit Praxis zu vereinen. Wir fördern den Wissens- und Technologietransfer und bilden strategische Allianzen mit Unternehmen, universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Dabei gehören enge Partnerschaften auf regionaler Ebene, wie die Jülich Aachen Research Alliance, kurz JARA, bis hin zur europäischen, internationalen Ebene, wie das Netzwerk der IDEA League, zu unserem Selbstverständnis.

Lehre – ganzheitliche Ausbildung zukünftiger Entscheiderinnen und Entscheider

Wir sehen die Vermittlung von Wissen und der Fähigkeit zu verantwortungsvollem Handeln durch die Befähigung zu kritischem Denken als Schlüsselelement für eine nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft. Studierende müssen ausgestattet werden mit Wissen und Kompetenzen aber auch mit Motivation und Kreativität, um den heutigen und zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. Wir haben die Verantwortung, sie auf reale Situationen vorzubereiten und Absolventinnen und Absolventen zu Vermittlerinnen und Vermittlern für Nachhaltigkeitsprozesse werden zu lassen. Neben unserem breiten Fächerspektrum mit technischem Schwerpunkt ist für uns die Vernetzung verschiedener Fachrichtungen, unter anderem in studiengangsübergreifenden Veranstaltungen wesentlich. Hier kann Lehre wegweisend sein, denn inter- und transdisziplinäre Ansätze sind erforderlich für eine Transformation unserer Gesellschaft. Bildung für nachhaltige Entwicklung muss dabei problemgerecht international ausgerichtet und organisiert sein und ist deshalb Teil unserer Internationalität, die wir als Querschnittsaufgabe in all unseren Handlungsfeldern verankern. Neben der fachlichen Ausbildung werden in allen Studiengängen soziale und persönliche Kompetenzen weiterentwickelt und gefördert. Dabei werden ökologische, wirtschaftliche, soziale, ethische, politische, interkulturelle und auf Gender und Diversity bezogene Fragestellungen thematisiert und das Bewusstsein für die Auswirkungen des eigenen Handelns von Beginn an über alle Studiengänge hinweg geschärft, wie zum Beispiel im Projekt „Leonardo“. Dabei stärken wir durch eine kontinuierliche Entwicklung und den Ausbau des – englischsprachigen, digitalen und projektorientierten – Lehr- und Studienangebotes die Offenheit und Inklusivität unserer Lehre und stellen Erkenntnisse aus der Forschung zur Verfügung, die die Lernenden als Multiplikatoren und Multiplikatorinnen über die Lehrveranstaltung hinaus in Forschung, Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig weiterentwickeln.

Betrieb – Förderung einer nachhaltigen Organisation

Wir betrachten Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil unseres Handelns und setzen dazu unsere Ressourcen im Bau, der Sanierung und der Bewirtschaftung von Gebäuden und Infrastrukturen sowie im Beschaffungswesen und in Fragen der Mobilität, wie auch allen weiteren Arbeitsbereichen, verantwortungsvoll und effizient ein. Eine umweltfreundliche Nutzung und Pflege der Außenflächen sowie Planung der Flächeninanspruchnahme ist für uns elementar. Durch ein koordiniertes gemeinsames Handeln wollen wir den Ressourcen- und Energieverbrauch reduzieren und – wo möglich – auf faire und nachhaltige Alternativen setzen. Daran arbeiten wir – Studierende, Lehrende und Forschende sowie Beschäftigte in Technik und Verwaltung – gemeinsam als Hochschule. Um diesen Prozess innerhalb der Hochschule zu fördern, werden wir unsere Qualifizierung und Kompetenz für nachhaltiges Handeln durch einen kontinuierlichen Ausbau des Informations- und Weiterbildungsangebotes weiter stärken.

Governance – Unterstützung einer kontinuierlichen, nachhaltigen Entwicklung

Wir setzen uns sowohl intern als auch im regionalen, nationalen und internationalen Austausch für eine nachhaltigere Universität und die Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen ein.

Um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, sind wir als Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen auf die Unterstützung der Landesregierung angewiesen, insbesondere bei der Realisierung einer ressourceneffizienten und barrierefreien Nutzung für alle Mitglieder der Hochschule und der Sanierung, dem Neubau und der langfristigen Pflege energieeffizienter Gebäude. Deshalb setzten wir uns – und insbesondere unser Rektorat – dafür ein, dass die Politik die erforderlichen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen schafft, die unsere Entwicklung zu einer nachhaltigeren Hochschule ermöglicht, fordert und fördert.

Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch, dass wir als öffentliche Arbeitgeberin unsere besondere Verpflichtung für die Inklusion, das heißt Einstellung, Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit chronischen Erkrankungen und/oder (Schwer-)Behinderung aktiv wahrnehmen und leben. Eine nachhaltige Entwicklung umfasst auch die Förderung von Offenheit, Wertschätzung und Toleranz gegenüber Unterschieden. Gender und Diversity im Sinne von Gleichstellung, der Akzeptanz aller Lebensentwürfe, Vielfalt und Chancengerechtigkeit gehören deshalb zum zentralen Grundverständnis unser Personalpolitik und werden von uns konsequent gelebt. Die Diversität der Menschen verstehen wir als Chance und Potenzial für Individuum und Hochschule. Darüber hinaus stärken wir mit einem präventionsorientierten Ansatz unsere Gesundheitskompetenz und schaffen gesundheitsorientierte Prozesse und Strukturen.

Die Stabsstelle Nachhaltigkeit und Hochschulgovernance fördert als zentrale Ansprechpartnerin die Vernetzung aller Hochschulgruppen in einer offenen Dialogkultur und ermöglicht die Partizipation aller Hochschulmitglieder. Ein zukünftig regelmäßig erscheinender Nachhaltigkeitsbericht schafft Transparenz in Bezug auf den Status quo in allen Handlungsfeldern, um daraus weitergehende Maßnahmen zur Zielerreichung abzuleiten.

Wir, die Mitglieder der RWTH, verpflichten uns durch unser individuelles und gemeinschaftliches Handeln Verantwortung zu übernehmen und zu einer nachhaltigeren RWTH beizutragen. Nur gemeinsam können wir den bestmöglichen Beitrag zu einer zukunftsorientierten Gestaltung von Wissenschaft und Gesellschaft auf Dauer und verlässlich leisten. Diesem Ziel verpflichten wir uns.