Nachbericht: 2. Advanced Talents Days an der RWTH Aachen

  Vortragsraum mit Menschen Urheberrecht: RWTH Aachen

Am 16. und 17. November 2016 fanden an der RWTH Aachen University in Kooperation mit der Universität zu Köln und dem Deutschen Hochschulverband (DHV) die zweiten Advanced Talents Days statt. Die Veranstaltung richtete sich an den wissenschaftlichen Nachwuchs. Der Fokus lag darauf, die PostDocs und Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren auf interaktive Weise effektiv beim Erreichen des Berufsziels Professur zu fördern.

  Menschen stehen um einen Stehtisch herum Urheberrecht: Andreas Schmitter Dr. Ulrike Preissler berät engagiert den wissenschaftlichen Nachwuchs in den „Beratungsecken“.

Ein Bericht von Katrin Bardow und Dr. Susanne Berger

Zwei Exzellenzuniversitäten kooperieren

Beide Exzellenzuniversitäten haben es sich zum Ziel gesetzt, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und diese Gruppe in ihrer Karriereplanung bestmöglich zu betreuen“, erklärt Professorin Doris Klee, Prorektorin für Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs der RWTH Aachen: „Mit unserem Angebot für die Advanced Talents unterstützen wir unsere vielversprechenden Forscherinnen und Forscher dabei, ihre Chancen auf ihr Berufsziel Professur gezielt zu planen, zu verfolgen und schlussendlich dieses Ziel auch zu erreichen.“ Die Wissenschaftlerin hat zusammen mit ihrer Kollegin aus Köln, Professorin Gudrun Gersmann, Prorektorin für Internationales, die Veranstaltung bereits 2015 ins Leben gerufen. Für Gersmann, ist die Advanced Talents-Initiative für beide Hochschulen enorm wichtig: „Die Optimierung der Zukunftsperspektiven unserer exzellenten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler bedarf unserer vollen Aufmerksamkeit.“

Ziel ist es, mit der Veranstaltung dem wissenschaftlichen Nachwuchs die neuesten Strömungen und Erkenntnisse in Hinsicht auf Karrierewege, Gesetzgebung sowie auch Berufungs- und Verhandlungstechniken mit auf den Weg gegeben. Daneben gibt es natürlich viele Möglichkeiten, um ins Gespräch zu kommen und neue Netzwerke zu knüpfen.

Für Dr. Alan Hansen, Leiter der Abteilung Personalentwicklung Wissenschaft der Universität zu Köln, ist die Unterstützung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihrer Karriere eine wichtige Aufgabe der Hochschulen: „Neben der Politik sind zukünftig insbesondere die Universitäten gefordert, ihren „Advanced Talents“ klare und transparente Karriereoptionen und individualisierte Personalentwicklungsangebote zu bieten. In diesem Sinne gehört es für uns an der Universität zu Köln zu einer der Kernaufgaben, den wissenschaftlichen Nachwuchs in seiner herausfordernden Lebensphase bestmöglich zu unterstützen und Talente systematisch zu fördern.“ Der Rektor der RWTH Aachen, Professor Ernst Schmachtenberg, betont, dass bei dem Weg zur Professur „nicht alles planbar ist. Man benötigt Menschen, die an einen glauben und einem etwas zutrauen“.

  Personen stehen um einen Stehtisch herum. Urheberrecht: Andreas Schmitter Auch Dr. Hubert Detmer gibt seine Erfahrung weiter.

Verhandlungsgeschick auf dem Weg zur Professur

Äußerst informativ gestalteten sich die Vorträge von Frau Dr. Ulrike Preissler und Herrn Dr. Hubert Detmer vom Deutschen Hochschulverband. Frau Dr. Preissler führte anregend durch den „Hochschulknigge“ bei Berufsverhandlungen und referierte über erfolgsversprechende Feinheiten im Kommunikations- und Verhandlungsprozess. Als Fazit halten die beiden Referenten fest: „Sie bekommen nicht das, was Sie wert sind, sondern das, was Sie verhandeln!“ Im Anschluss stellte sich Herr Dr. Detmer mit seiner Expertise zum Thema Besoldung bzw. die Verhandlung darüber den Fragen des Publikums. O-Ton eines Teilnehmers: „Die DHV-Vorträge waren exzellent.“

Offenes Gespräch mit dem DHV

Highlight aus Sicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren die „Beratungsecken“ des Deutschen Hochschulverbands zu Themen, wie ‚Tenure Track-Verfahren‘, ‚Bewerbungsgespräche‘, ‚Verhandlungssituationen‘ und ‚WissZeitVG‘. Hier beantworteten die beiden Juristen Herr Dr. Detmer und Frau Dr. Preissler geduldig individuelle Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und gaben „sehr hilfreiche Tipps“, wie einer der Gäste, Frau Dr. Dimitrova, hervorhob. Es bildeten sich große Menschentrauben, die angeregt miteinander diskutierten und sich austauschten.

  Personen stehen in einer Reihe nebeneinander Urheberrecht: Andreas Schmitter Die Gewinnerin der Advanced Talents Pitches, Dr. Diana Dimitrova (Universität zu Köln) in der Mitte umrahmt von ihren beiden Mitstreitern der RWTH, Dr.-Ing. Simon und Dr.-Ing. Gloy, sowie den Prorektorinnen Klee (Aachen, links) und Gersmann (Köln).

„Advanced Talents Pitches“

Der zweite Tag stand im Zeichen der möglichen Karrierewege zur Professur und dem Netzwerken des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Prorektorin Klee eröffnete dann die „Advanced Talents Pitches“, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit hatten, in exakt drei Minuten sich und ihr Forschungsthema verständlich dem interdisziplinären Publikum im Saal vorzustellen. Prorektorin Klee erklärte: „Hier nehmen die „Advanced Talents“ von beiden Universitäten die Chance wahr, sich interdisziplinär einer Gruppe von potenziellen Kooperationspartnern und Kollegen mit ihrem Forschungsgebiet auf anschauliche Art - kurz und knapp - vorzustellen und ihr Netzwerk zu vergrößern.“

Die Advanced Talents Pitches waren informativ und unterhaltsam zugleich und bereiteten dem Publikum, wie auch den Vortragenden große Freude. Gewählt durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung erhielt Frau Dr. Diana Dimitrova, Sprachwissenschaftlerin an der Universität zu Köln mit dem inspirierenden Vortrag „Language signals in the brain“ den ersten Preis für den besten Advanced Talents Pitch. Platz zwei und drei wurden von Dr.-Ing. Jaan Simon, Akademischer Oberrat am Institut für Angewandte Mechanik, und Dr.-Ing. Yves-Simon Gloy, Mitglied der Institutsleitung am Institut für Textiltechnik belegt. „Die Pitches waren eine tolle Möglichkeit, sich und die Forschung zu präsentieren“, so ein Teilnehmer, der sich der Herausforderung des Drei-Minuten-Vortrags stellte.

  Personen in einer Unterhaltung Urheberrecht: Andreas Schmitter Auch in den Pausen wird noch angeregt über die unterschiedlichen Kurzvorträge und das belebende Formatdiskutiert.

Karrierewege zur Professur

Mit dem Vortrag von Dr. Sigrun Nickel, Leiterin der Hochschulforschung am Centrum für Hochschulentwicklung, CHE, wurde nicht nur aufgezeigt, welche Karrierewege alle zur Professur führen, sondern welche darunter auch die Erfolgsversprechenden sind: „Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren schaffen den Sprung zur Professur mit durchschnittlich 6,6 Jahren am schnellsten, wohingegen der wissenschaftliche Nachwuchs mit einer klassischen Habilitation erst nach durchschnittlich 10,8 Jahren das Berufsziel erreicht“, so der Befund der von Nickel vorgestellten Studie.

Spannende Einblicke in das Tenure Track-Verfahren an der University of South Carolina, USA, gewährte Professorin Ferdinanda Ponci. In einem persönlichen Erfahrungsbericht referierte die nun an der RWTH lehrende und forschende Wissenschaftlerin über den in Teilen herrschenden großen Druck im US-amerikanischen Tenure Track-System. Der Vergleich zwischen deutschen und US-amerikanischen Verfahrensweisen regte zur Diskussion unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an.

Ein weiteres Highlight des letzten Tages bildete die Podiumsdiskussion zur Frage „Der Weg zur Professur – Planbar oder Lotterie?“ Unter der Moderation von Prorektorin Klee, kamen hier Prorektorin Gersmann, Professorin Sonja Herres-Pawlis, Institutsdirektorin der Bioanorganische Chemie der RWTH Aachen und Professor Christoph Stampfer, Lehrstuhlinhaber des II. Physikalischen Instituts A der RWTH miteinander ins Gespräch. Die Diskutierenden gaben persönliche Einblicke in ihre eigenen Karrierewege und teilten ihre ganz individuellen Erfahrungen mit dem Publikum. Ein Punkt, der Professor Stampfer besonders am Herzen lag, war „Vernetzung, Vernetzung, Vernetzung ist das ‚A‘ und ‚O‘ auf dem Weg zur Professur“. Den berufungserfahrenen Podiumsgästen zufolge bildet eine starke Kommunikation mit der Community neben der reinen „Papierlage“ der Bewerbungsdokumente einen entscheidenden Erfolgsfaktor zum Karriereziel Professorin oder Professor. Des Weiteren betonte Prorektorin Gersmann die Wichtigkeit „proaktiv“ zu sein und die „eigene Selbstverantwortung“ ernst zu nehmen.