Projektbeschreibung

BlendedPOL (ETS234)

Kontakt

Name

Prof. Dr.rer.nat. Dipl.-Ing. Martin Baumann, MME

Institut für Angewandte Medizintechnik (AME)

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+49 (0)241 80-89845

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Steckbrief

Eckdaten

Veranstaltungsform:
Praktika
Format:
Adaptive Lernangebote/Lernpfade; Sonstiges
Lernszenarien - Hauptkategorie:
Anreicherung
Lernszenarien - Weitere Kategorien:
Interaktion und Kollaboration
Studiengang:
Einführung in die Medizin für Naturwissenschaftler und Ingenieure
Fakultät:
10 - Medizin
Jahr:
2015

Idee und Ziel

Am Anfang der Projektidee stand die Motivation, die Teilnahme am vorlesungsbegleitenden Praktikum auch räumlich getrennten Studierenden zu ermöglichen (die z.B. aufgrund eines Auslandssemesters physikalisch nicht anwesend sind). Teile des Praktikums basieren auf dem Konzept des Problem-orientierten Lernens (POL) und setzen daher voraus, dass Gruppen mit je 5-8 Studierenden an 2 Terminen unter tutorieller Aufsicht eigenverantwortlich zusammen arbeiten, und zur gleichen Zeit am gleichen Ort erscheinen. Da die Gruppen bewusst interdisziplinär zusammengesetzt sind, entstehen oft Probleme in der Terminfindung. Hieraus entstand schnell die Idee, das forschende Lernen im POL-Praktikum um diverse PC-gestützte Collaboration-Tools (z.B. Videokonferenzsoftware) zum BlendedPOL zu ergänzen und somit die notwendige Ortsgebundenheit aller Gruppenmitglieder aufzubrechen, indem eine Gruppe auf zwei Standorte aufgeteilt eine Aufgabe gleichzeitig bearbeiten kann. Die durch POL vermittelten Methoden- und Personalkompetenzen, Gruppenarbeitsprozesse und Teamfähigkeiten werden dabei synergistisch durch Medien- und spezifische Kommunikationskompetenzen aus dem Umgang mit den Collaboration-Tools komplementiert. Die Auswahl der konkret genutzten elektronischen Kommunikationswege (Collaboration-Tools) aus einem vorgegebenen Fundus liegt dabei bewusst in der Verantwortung der Studierenden und fördert so zusätzliche Entscheidungskompetenz und schafft ein Moment der Selbstwirksamkeit im Erfahren des eigenen Handlungsspielraumes. Insgesamt entsteht so im BlendedPOL ein eigenständiges Praktikumskonzept, das im Besonderen auf die kommunikativen Herausforderungen der digitalen Berufswelt vorbereitet.

Projektverlauf

Das Projekt wurde im Sommersemester 2016 als Pilotprojekt für alle Studierende der Vorlesung als freiwillige Ergänzung angeboten (da das ETS-Projekt nicht in vollem Umfang Finanzierung erhalten hat, war die geplante globale Umsetzung für alle Studierende nicht möglich). Insgesamt 14 Studierende haben das Projekt bis zum Ende mitgetragen.
Zu Projektbeginn wurden zunächst die verfügbaren Collaboration-Tools sondiert und auf ihre Anwendbarkeit hin geprüft. Kommerzielle Produkte fielen aus Kostengründen aus der Auswahl heraus, alle anderen ließen sich in drei Klassen einteilen:
a) Teamkonferenz-Programme (z.B. TeamViewer, AnyDesk, Skype, Google-Hangouts),
b) Remote-Desktop-Programme (z.B. TeamViewer, AnyDesk, RemoteDesktop von MS-Windows),
c) Datenorganisations und -austausch-Programme (z.B. Google Drive & Google Docs, scibo, Mind24, freeplane).
Parallel wurde zusammen mit Radiologen des Universitätsklinikums Aachen ein neues POL-Szenario entwickelt, das von vorne herein die Teilung einer Arbeitsgruppe in zwei räumlich getrennte Untergruppen berücksichtigte. Diese Zweiteilung konnte auch medizinisch begründet werden, sodass die Studierenden sich in der Aufgabenstellung je nach Untergruppe mit einem anderen Ärzteteam identifizieren konnten. Jedem Team standen unterschiedliche Informationen zur Verfügung und eine umfassende Aufgabenbearbeitung war nur in kollaborativer Zusammenführung aller Fakten möglich.
Die Studierenden wurden in einer ersten Sitzung alle gemeinsam in das Thema eingeführt und durch praktische Übung an Gruppendynamik und –arbeit herangeführt. In Sitzung 2 und 3 wurde konkret das BlendedPOL erprobt, fachlich betreut durch zwei Tutoren aus der Radiologie und konzeptionell parallel analysiert von einem POL-geschulten Mitarbeiter des AME. Abschließend kamen alle Studierenden zur vierten Sitzung wieder zusammen, erhielten eine medizinisch fundierte Fallauflösung und es wurde ausführliches Feedback erhoben, um das BlendedPOL abschließend zu evaluieren.

Ergebnis

Die Synergie aus POL-Konzept mit digitalen Medien ist bei den Studierenden sehr positiv angekommen. Die Veranstaltung wurde auf Schulnotenskala sehr gut bewertet (MW 1,79; SD 0,56; n=14) und von den Studierenden als „sehr angenehm“ empfunden. Besonders hervorgehoben wurde der realitätsnahe Praxisbezug für die konkrete Berufsausbildung. Kritisiert wurde allerdings auch, dass teilw. zu wenig Vorwissen vorhanden sei, um in der Gruppe sinnvoll diskutieren zu können. Dieses Problem ist für POL allgemein bekannt. Es gab darüber hinaus während Sitzung 2 Übertragungsprobleme, welche als stark beeinträchtigend kritisiert wurden.
Aus Sicht der Organisatoren ist das Pilotprojekt ein voller Erfolg gewesen, denn die Aufgaben konnte von allen Gruppen gut gelöst werden. Somit ist das ursprüngliche Ziel eines interaktiven POL-Praktikums bei räumlicher Trennung voll erreicht worden.
Aus der Beobachtung von Sitzung 2 und 3 hat sich gezeigt, dass die Studierenden nur Programme aus Klasse a) (Teamkonferenz-Programme) genutzt haben, allen voran TeamViewer. Zusätzlich wurde die vorgegebene Softwareauswahl in allen Gruppen eigenständig um das Mobiltelefon erweitert (insb. WhattsApp).
In einer ersten Phase (ca. 5 min) wurde der PC-gestützte Kommunikationskanal aufgebaut, anschließend zeigte sich immer eine zweite Phase (ca. 5 min), in der der Kommunikationsmodus geklärt wurde (mit dem Ergebnis, dass nur einer sprechen kann, ohne dass Information im Übertragungsweg verloren geht). Erst im Anschluss konnte inhaltlich gearbeitet werden, wobei die Hauptarbeit in jeder Untergruppe separat stattfand und die übergeordnete Kommunikation zur anderen Untergruppe durch einen „Sprecher“ erfolgte.
Das Pilotprojekt zeigt sich direkt übertragbar auf andere Lehrformate, solange zwei Gruppen räumlich getrennt miteinander arbeiten sollen. Hierbei ist insbesondere motivierend, dass die Studierenden scheinbar intuitiv mit den Medien arbeiten wollen und können.