Projektbeschreibung

FILM - Förderung Individueller Live-Medienkompetenz (ETS28)

Kontakt

Name

Dr. Hanno Zielke

Aachener Biologie und Biotechnologie

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workPhone
+49 (0)241 80-26676

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Steckbrief

Eckdaten

Veranstaltungsform:
Seminare
Format:
Sonstiges
Lernszenarien - Hauptkategorie:
Anreicherung
Lernszenarien - Weitere Kategorien:
Personalisierung
Studiengang:
BSc & MSc Biologie & Biotechnologie, MSc Ökotoxikologie, LAB/LAM Biologie
Fakultät:
1-B - Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (Biologie)
Jahr:
2010

Idee und Ziel

Der Umgang mit den Medien Film und Fernsehen tritt für Wissenschaftler immer mehr in den Vordergrund. Wie jedoch kommuniziert man wissenschaftliche Arbeit gegenüber der Öffentlichkeit? Wie funktionieren Print, Radio, TV, Internet & Co im Hinblick auf die Wissenschaft?
Wissenschaftler stehen in der Verantwortung, Erkenntnisse nicht nur einer Fachöffentlichkeit bekannt zu machen, sondern auch Inhalte, Ziele und Ergebnisse so zu vermitteln, dass Zeitungsleser, Fernsehzuschauer und auch ganz normale Politiker dies verstehen. Und im Idealfall auch so begeistert sind, dass sie als politische und/oder wirtschaftliche Entscheidungsträger Geld für Forschung und Lehre geben.
Dabei fehlt für entsprechende Schulungen oft die Zeit, wenn der Wissenschaftler bereits in der Industrie, Behörden oder Hochschule eine Verantwortungsposition innehat. Entsprechende Schulungen sollten also frühzeitig in das Curriculum integriert werden.
Der durch ETS geförderte Skillkurs „FILM“ lehrt in praktischen Übungen vor und hinter der Kamera das Auftreten in Interviewsituationen. Darüber hinaus werden unter Anleitung in Gruppen eigene Filme erstellt, wobei alle notwendigen Schritte durchlaufen werden (Planung, Organisation, Dreharbeiten, Schnitt). In ergänzenden Theorieeinheiten werden der Aufbau von Wissenschaftsmedien vermittelt und Beispiele für Wissenschaftsdarstellung in Film und Fernsehen diskutiert.

Projektverlauf

FILM wurde im ersten Kursjahr (2010-2011) durch ETS gefördert. Seitdem wird der Kurs einmal jährlich im Sommersemester mit Unterstützung aus Qualitätsverbesserungsmitteln durchgeführt. Die Kursgröße liegt bei 12-15 Teilnehmenden.
Diese kleine Kursgröße hat sich als optimal herausgestellt, da nur so die notwendige individuelle Betreuung gewährleistet wird. Die Einbindung eines Medienvertreters (Wissenschaftsjounalist Herr Wolfgang Kübel, Rixdorf Film) ist unverzichtbar, um einen direkten Praxisbezug herzustellen.
FILM wurde im Jahr der ETS-Förderung zudem in verkürzter Form als eine freiwillige Ergänzung zu Projekten des UROP International Programms der RWTH Aachen angeboten. Ein freiwilliges Interviewtraining für alle Teilnehmende wurde durchgeführt. Dazu wurden drei Kurzfilme zu ausgewählten Projekten (Cultural Finance, Physical Chemistry, Applied Mathematics) erstellt.
Weiterhin wurde 2014 eine Interviewschulung für Graduierte des internationalen EDA-Emerge Doktorandenprogramms durchgeführt.
Inzwischen ist in den Kursen eine Vielzahl an Filmen entstanden (3 bis 4 pro Jahr), die z.T. online verfügbar sind (s.weiterführende Informationen). Die Filmthemen werden von den Studierenden selbstgewählt, sind sehr divers und umfassen beispielsweise:
- Imagefilme über Forschungsprojekte (z.B. Yangtse-Dreischluchtenstaudammprojekt, s."weiterführende Informationen")
- Film über Lehramtsabschlussarbeiten zur Übertragung des YES-Assay zur Detektion endokriner Aktivität in die Schule (in enger Zusammenarbeit mit Prof. Johannes Bohrmann, LFG Zoologie und Humanbiologie)
- Informative Reportagen (Magazin zu Aromastoffen)
- Formate für Kinder (im Stil der "Sendung mit der Maus")
- Künstlerisch beeinflusste Projekte wie "der Tag eines Studierenden" oder die Sicht auf die Natur aus der Perspektive einer intelligenten Tomate (s.u.)

Ergebnis

Der Skillkurs FILM wurde aus der Umweltforschung heraus entwickelt. Das ist kein Zufall. Umweltforscher arbeiten in besonderem Maße unter den Augen der Öffentlichkeit. Ihre Themen sind für das breite Publikum interessant, relevant und haben einen sozialen, (gesundheits-)politischen und auch wirtschaftlichen Widerhall. Nicht selten reiben sich ihre Erkenntnisse mit wirtschaftlichen oder politischen Interessen. Dies lässt sich jedoch auf eine Vielzahl verschiedener Disziplinen übertragen. Daher sollten insbesondere Studierende der Disziplinen, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen, frühzeitig in Medienkompetenz geschult werden.
Mit einer eigenen Kommunikationsstrategie können Wissenschaftler im Rampenlicht souverän den medialen Herausforderungen begegnen. Dafür aber braucht es Schulungen und Lehrangebote für angehende Wissenschaftler. Journalisten werden in ihrer Ausbildung oft gezielt auf den Umgang mit wissenschaftlichen Themen vorbereitet. An verschiedenen deutschen Universitäten gibt es eigene Studiengänge zum Thema „Wissenschaftsjournalismus“. Derartige Schulungen sollten daher so früh wie möglich auch in die wissenschaftliche Ausbildung integriert werden, also idealerweise Teil des Studiums sein.
Die Studierenden profitieren direkt durch eine Steigerung der Souveränität und des Selbstvertrauens und indirekt durch kreatives „Out-of-the-box“-Denken über die eigene Disziplin hinaus. Die Kommunikation mit der Öffentlichkeit führt zudem dazu, als informierter Experte wahrgenommen zu werden, und später die eigene Institution im Bewusstsein der Öffentlichkeit, der Medien und der Politik zu verankern. Das sind Kompetenzen, die den jungen Wissenschaftlern in ihrem zukünftigen Berufsleben Vorteile bringen werden. Einzelne ehemalige Kursteilnehmende arbeiten mittlerweile im Bereich des wissenschaftlichen Films bzw. der Filmindustrie, und bestätigen aus der Berufspraxis heraus den enormen Vorteil, sich bereits im Studium mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Weitere Informationen

Artikel über den Kurs FILM und die Bedeutung der Wissenschaftskommunikation:
Zielke H, Kübel W, Germann E, Bohrmann J, Hollert H (2016) Clash of Communications - die kommunikative Kluft zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Praxis der Naturwissenschaften - Biologie in der Schule 3/65:36-42