Hochwasserschutz: RWTH-Experte beklagt Umsetzungs-Problem

14.01.2024

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RWTH-Professor Holger Schüttrumpf beklagt Umsetzungs-Problem beim Hochwasserschutz – Expertinnen und Experten tagten in Aachen

  Prof. Holger Schüttrumpf Urheberrecht: © Peter Winandy Prof. Holger Schüttrumpf im Ahrtal

Wurden die richtigen Lehren aus der Hochwasser-Katastrophe 2021 gezogen? Damit beschäftigten sich die Teilnehmenden des 54. Internationalen Wasserbau-Symposiums Aachen. Im forum M tauschten sich die Expertinnen und Experten von Donnerstag bis Freitag auf Einladung des Instituts für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen (IWW) zu den aktuellen Fragen des Hochwasserschutzes aus.

Als der Termin der Veranstaltung festgelegt wurde, konnte Niemand ahnen, wie sehr die Aktualität die Tagung bestimmen würde. Das Hochwasser insbesondere in Norddeutschland hielt die Menschen in Atem und war natürlich Thema beim Symposium. Und? Wurden nun die richtigen Lehren aus 2021 gezogen, als in Deutschland mehr als 180 Menschen durch das Hochwasser starben? „Ja, aber“ sagt IWW-Direktor Professor Holger Schüttrumpf. Aus der Katastrophe seien zwar die richtigen Lehren gezogen und Konzepte entwickelt worden. Diese gäbe es aber bislang zumeist nur auf dem Papier, und Papier schütze eben nicht. „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungs-Problem“, sagt Schüttrumpf. Beleg für die These: 2014 sei in NRW ein Deich-Ertüchtigungsprogramm aufgebaut worden. Von den 44 vorgesehenen Maßnahmen seien bislang sechs umgesetzt. Das nationale Programm, auch aus 2014, umfasse 168 Maßnahmen, davon seien neun Maßnahmen umgesetzt. „Jede nicht umgesetzte Maßnahme ist eine Schwachstelle, und das nächste Hochwasser kommt bestimmt“, so der IWW-Direktor.

Am ersten Tag des Symposiums standen Frühwarnung und Risiko-Kommunikation im Mittelpunkt, danach ging es insbesondere um Hochwasservorsorge. Zwar ist zwischenzeitlich mit der Einführung des Cell Broadcasting – also der direkten Warnmeldung aufs Smartphone – etwas Entscheidendes im Bereich Frühwarnung geschehen, trotzdem befürchtet Schüttrumpf, dass bei einer ähnlichen Katastrophe die Folgen wieder schlimm sein werden: „Die Bevölkerung wüsste nicht, wie sie sich verhalten soll.“ Während bei einem Feuer klar sei, wohin man sich schnellstmöglich in Sicherheit bringen könne, fehle bei einer Flut jegliche Erfahrung. Bei der Hochwasservorsorge sei es dringend geboten, in die Infrastruktur zu investieren: „So wie in Straßen und Brücken, muss auch konsequent in Hochwasserrückhaltebecken, Deiche und in die Renaturierung investiert werden“, fordert der Experte. Vermeiden lassen sich Hochwasser ohnehin nicht, folgerichtig war auch „Leben mit dem Hochwasser“ Titel der zweitägigen Veranstaltung.