Scharfe Grenzen in der Klimapolitik

11.03.2011

Der neue Veranstaltungsplan für das Seniorenstudium der RWTH Aachen liegt vor und bietet im Sommersemester 2011 wieder eine bunte Vielfalt an Themen und Aktivitäten. Schwerpunkt sind Veranstaltungen des regulären Lehrangebots aller Fakultäten, die für Seniorenstudierende geöffnet wurden. Die RWTH setzt damit auf den Dialog zwischen Jung und Alt, von dem beide Seiten profitieren können. Zusätzlich gibt es Veranstaltungen, die von Lehrenden der Hochschule ausschließlich für Teilnehmende am Seniorenstudium angeboten werden.

 

n der letzten Klimarunde in Cancún haben sich die 194 Mitglieder der UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) formell auf das Zwei-Grad-Ziel geeinigt: Die CO2-Emissionen sollen so begrenzt werden, dass sich das Klima nicht mehr als zwei Grad Celsius gegenüber dem Beginn der Industrialisierung erwärmt. Aber warum sollen es genau zwei Grad sein? Liegt dies an einem Kosten-Nutzen-Kalkül, bei dem das Ausmaß der befürchteten Schäden entsprechend der Temperaturerhöhung steigt? Welche Schadenserwartungen haben dann für das Zwei-Grad-Ziel den Ausschlag gegeben? Warum wurde die Grenze nicht bei einem anderen Schadensszenario gezogen? Oder liegen dem Zwei-Grad-Ziel Modelle der mathematischen Katastrophentheorie zugrunde, die mit „tipping points“ operieren: Das sind Punkte in der Entwicklung von Systemen, an denen relativ geringe Wertveränderungen plötzlich katastrophale Systemveränderungen zur Folge haben. Jedoch auch dann ist die Festlegung auf exakt zwei Grad Celsius durch derartige Überlegungen offenbar unterbestimmt: Warum nicht 1,9 Grad oder 2,1 Grad? Liegt es nur daran, dass eine Zahl ohne Dezimalstellen leichter zu kommunizieren ist?

Dies wirft zum einen die Frage auf, welche weiteren Gesichtspunkte in die Festlegung scharfer Grenzen einfließen. Zum anderen stellt sich die Frage, ob derartige Grenzziehungen immer „ihren Grund in der Sache“ haben.

Darüber diskutieren im Anschluss an die Tagung „Unscharfe Grenzen im Umwelt- und Technikrecht“ Prof. Dr. Gregor Betz (Karlsruhe), Prof. Dr. Felix Ekardt (Rostock), sowie Daniel Klingenfeld (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung). Moderiert wird die Diskussion vom renommierten Wissenschaftsjournalisten Dr. Jan Lublinski (Preisträger des RWTH-Preises für Wissenschaftsjournalismus 2007).

Veranstaltet wird die Podiumsdiskussion vom Forschungsprojekt »Vernünftiger Umgang mit unscharfen Grenzen - Vagheits- und Unbestimmtheitsphänomene als Herausforderung für Philosophie und Recht«, Forschungsprojekt im Förderprogramm »Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften« der Volkswagen-Stiftung.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.