Culture for Peace

01.03.2011

Dr. S. Husein Hessari, Minister für Städtebau und Stadtentwicklung in Afghanistan, besuchte das RWTH-Institut für Stadtbaugeschichte. Hessari und Univ.-Prof. Dr.-Ing. Michael Jansen, Inhaber des Lehrstuhls für Stadtbaugeschichte, nutzten ihr Treffen zu einer Arbeitsbesprechung, bevor sie gemeinsam nach Paris reisten.

  Dr. S. Husein Hessari, Minister für Städtebau und Stadtentwicklung in Afghanistan, und Univ.-Prof. Michael Jansen arbeiten gemeinsam am Wiederaufbau in Afghanistan. Urheberrecht: Foto: Martin Lux Dr. S. Husein Hessari, Minister für Städtebau und Stadtentwicklung in Afghanistan (zweiter von rechts), und Univ.-Prof. Michael Jansen (rechts) arbeiten gemeinsam am Wiederaufbau in Afghanistan

Dort nehmen sie am International Forum „Towards Cultural Rapprochement and Tolerance“ der UNESCO teil. Die RWTH-Wissenschaftler arbeiten an zwei kulturellen Projekten für Afghanistan, die zur Stabilisierung der Region und damit zur Sicherung des Friedens beitragen - insbesondere auch vor dem Hintergrund des geplanten Abzugs der internationalen Truppen. Die Restaurierung der Stadtmauer von Ghazni, das 2013 islamische Kulturhauptstadt wird, ist ein neues, auf drei Jahre angelegtes Projekt der Aachener Wissenschaftler. In einem zweiten Projekt – das bereits seit sieben Jahren von Aachen Wissenschaftlern betreut wird - geht es um den Schutz des Bamiyan-Tals, das zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Die Stadtmauer von Ghazni

Die Stadt Ghazni war vor tausend Jahren Hauptstadt der Ghaznawiden und auch Hauptstadt der damaligen Kultur, beispielsweise wurde dort die bis heute gültige persische Schrift entwickelt. Ghazni liegt 150 Kilometer südlich von Kabul und ist im Jahr 2013 Kulturhauptstadt der ISESCO, der Islamic Organization for Education, Science and Culture und islamisches Pendant zur UNESCO. Die historische Stadtmauer ist heute in einem sehr schlechten Zustand, der natürliche Abbauprozess der Lehmkonstruktion und der Krieg sind die Ursachen für die Zerstörungen. Die Stadtmauer soll jetzt in einer Länge von 2,5 Kilometer restauriert werden. Dazu müssen aufwändig Gerüste aufgebaut werden, da die Mauer bis zu 20 Meter hoch ist. Mehr als 100 Arbeiter aus der Region werden in den nächsten drei Jahren jeweils zwischen April und Oktober tätig sein. Allerdings kennen sie die traditionelle Bauweise mit Lehm mittlerweile nicht mehr und müssen erst wieder an diese herangeführt werden. Professor Jansen wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland 1,5 Millionen Euro für dieses Projekt erhalten. Die Pläne für den Wiederaufbau wurden in enge Zusammenarbeit mit dem afghanischen Ministerium für Kultur und Information sowie dem afghanischen Städtebauministerium entwickelt.

Das Tal von Bamiyan

Das Tal von Bamiyan wird derzeit von den Aachener Forschern genau vermessen. Denn nicht nur die vor zehn Jahren von den Taliban zerstörten Buddha-Statuen, sondern das gesamte Tal steht auf der UNESCO Welterbe-Liste. Geschützt werden müssen neben den heute leeren Nischen der Buddhas und deren Fragmente sieben weitere Denkmäler sowie die Dörfer, Landschaften und Bewässerungssysteme des Tals. In einem Cultural Master Plan haben Professor Jansen und sein Team bereits vor einigen Jahren festgeschrieben, was geschützt werden soll beziehungsweise wo heute gebaut werden darf. Diese Vorgaben wurden von der afghanischen Regierung übernommen. Der Master Plan muss aber fortgeschrieben und neue wissenschaftliche Erkenntnisse eingefügt werden.