Neuer Supercomputer für die RWTH Aachen

15.02.2011

Die RWTH Aachen wird einen neuen Supercomputer erhalten. Der Rechner verfügt über mehr als 28.000 Prozessorkerne mit einer Gesamtleistung von etwa 300 Tflop/s sowie drei Petabyte Plattenspeicher und verschafft der Hochschule so einen immensen Vorteil bei der Berechnung lebensnaher Simulationen. Des Weiteren vereinbart das Rechen- und Kommunikationszentrum (RZ) mit der Herstellerfirma Bull eine Kooperation zur Optimierung industriell relevanter Anwendungen und im Bereich Green IT.

 

Supercomputer sind heute in vielen Bereichen von Forschung und Entwicklung unverzichtbar geworden. Sie helfen bei der Entstehung neuer Produkte und Materialien durch Simulation, die optimale Lösung zu finden. Ergebnisse dieser auf komplexen Berechnungen basierenden Forschungen sind zum Beispiel reduzierte Benzinverbräuche moderner Autos und Flugzeuge, neue Materialien, aber auch ein immer besseres Verständnis für komplexe Klimaphänomene.

Die Forscher der ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fakultäten der RWTH Aachen benötigen für ihre Arbeit Rechnersysteme mit höchster Leistungsfähigkeit: „Der neue Supercomputer von Bull ist für unsere Wissenschaftler aus den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Physik, Chemie, Biologie, Mathematik und Informatik von zentraler Bedeutung. Er wird wesentlich zum Fortschritt in dem an der RWTH Aachen sehr breit gefächerten Bereich der Simulationswissenschaften beitragen, sei es zum besseren Verständnis natürlicher Phänomene, zur Erforschung von neuen Werkstoffen oder zur Entwicklung neuer technischer Methoden“, sagt Professor Christian Bischof Ph.D., Leiter des Rechen- und Kommunikationszentrums sowie Inhaber des Informatiklehrstuhls für Hochleistungsrechnen der RWTH.

Das Rechen- und Kommunikationszentrum der RWTH Aachen ist der zentrale IT-Dienstleister für die gesamte Hochschule. Die beiden Bereiche Hochleistungsrechnen (High Performance Computing/HPC) und Virtuelle Realität (VR) zur Darstellung und Analyse der Rechenergebnisse werden von der RWTH als strategisch wichtig erachtet. Sie unterstützen genau die Kernkompetenz der Ingenieur- und Naturwissenschaftler bei der Simulation, die als dritte Säule der Wissenschaft neben Theorie und Experiment in vielen Bereichen unverzichtbar geworden ist.

„Ein Teil des neuen Hochleistungsrechners der RWTH Aachen wird den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Jülich Aachen Research Alliance, kurz JARA, zur ausschließlichen Nutzung zur Verfügung gestellt und bildet damit den Grundstein für die Etablierung einer so genannten JARA-HPC Partition! Damit finden Forscher aus JARA in Zukunft eine hochperformante Rechnerplattform vor, die zusammen mit den methodischen Kompetenzen für HPC in JARA ein einzigartiges HPC-Ökosystem für Simulation Science schafft“, fügt Bischof hinzu.

Zur Leistungsfähigkeit des Supercomputers einige Vergleichszahlen:

• Die Rechenleistung des Geräts von ca. 300 Tflop/s (300 Tflop/s = 300 * 1012 Gleitkommaoperationen pro Sekunde) entspricht in etwa der Leistung von 10.000 modernen Büro-PCs.

• Das Licht breitet sich in einer Nanosekunde um 30 Zentimeter aus. In dieser Zeit schafft der HPC-Rechner bereits gut 300.000 Rechenoperationen.

• Das System kann bis zu 19 Gigabyte Daten pro Sekunde auf das angeschlossene Speichersystemen schreiben. Das entspricht der Kapazität von vier DVDs.

• Das Plattenspeichersystem ist insgesamt drei Petabyte groß, das sind 3.000 Terabyte (3 * 1015 Bytes). Diese Datenmenge entspricht etwa einer 6.000 Jahre lang nonstop spielenden MP3-Datei.

• Das Gerät zählt heute mit seiner Leistung laut aktueller Top500-Liste (top500.org) zu den 30 schnellsten Rechnern der Welt.

Wichtige Einsatzbereiche für den Supercomputer

Mehr als tausend Wissenschaftler und auch Hunderte von Studierenden nutzen heute schon aktiv die vom Rechen- und Kommunikationszentrum betreuten Rechencluster. Entsprechend groß ist die Vielfalt der Anwendungen, die sowohl unter Linux als auch unter Windows eingesetzt und weiterentwickelt werden. Die geplante Verfünffachung der Rechenleistung wird den Ingenieuren und Naturwissenschaftlern neue interessante Möglichkeiten eröffnen.

Der neue Supercomputer der RWTH wird ab März 2011 geliefert und voraussichtlich im Mai 2011 seinen regulären Betrieb aufnehmen.