Japanisch-Deutsches Katalyse-Symposium in Osaka

23.03.2012

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Am 13. und 14. März 2012 fand das Symposium „Biotechnology and Chemistry for Green Growth“  des internationalen Graduiertenkollegs „Selectivity in Chemo- and Biocatalysis (SeleCa)“ in Osaka, Japan, statt. Eine einundzwanzigköpfige Delegation der RWTH Aachen besuchte ihre Kooperationspartner der Universität Osaka.

 

Seit 2010 besteht im Rahmen des internationalen Graduiertenkollegs „SeleCa“ ein reger akademischer Austausch zwischen der RWTH Aachen und der Universität Osaka. Das Graduiertenkolleg setzt sich aus neun Arbeitsgruppen der RWTH Aachen, einer Arbeitsgruppe des Forschungszentrums Jülich sowie zehn Arbeitsgruppen der Universität Osaka zusammen. In regelmäßigen Abständen finden Symposien in Deutschland bzw. Japan statt, in denen Fortschritte in der Katalyseforschung dokumentiert werden, sich beide Seiten über aktuelle Entwicklungen austauschen können und gemeinsame Forschungsvorhaben initiiert werden. Außerdem gibt es Minisymposien, die von Doktorandinnen und Doktoranden gestaltet werden und aus Kurzvorträgen über ihre Projekte bestehen. Getragen wird das internationale Graduiertenkolleg von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der „Japanese Society for the Promotion of Science“ (JSPS). Ziel des Programms ist es, jungen Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, einen dreimonatigen Aufenthalt an der Partneruniversität verbringen zu können und fachliche sowie interkulturelle Kenntnisse zu vertiefen. Dem fachübergreifenden Wissenstransfer wird hierbei besondere Bedeutung zugemessen, da in „SeleCa“ sowohl Arbeitsgruppen aus der Chemie wie auch der Biotechnologie beteiligt sind. „SeleCa“ schafft somit ein in mehrfacher Hinsicht interessantes Spannungsfeld zwischen angrenzenden Wissenschaftsdisziplinen und unterschiedlichen Kulturen.

Der Herausforderung in einem derartigen Spannungsfeld zu bestehen, stellten sich die mitgereisten Doktorandinnen und Doktoranden in einem eintägigen Minisymposium, das Dieter Enders durch eine Plenarvorlesung zu aktuellen Entwicklungen in der Organokatalyse eröffnete. Es folgten Kurzvorträge der japanischen und deutschen Doktoranden zu ihren jeweiligen Projekten. Dabei gelang es - trotz der thematisch breiten Aufstellung des Programms - allen Vortragenden, verständliche Einblicke in die eigenen Arbeiten zu geben.

Die Vielseitigkeit des Graduiertenkollegs spiegelte sich schließlich auch im Programm des Symposiums „Biotechnology and Chemistry for Green Growth“ wider. Nach Grußworten von Akio Baba, dem Vizepräsidenten der Universität Osaka, Hiroko Takuma, der Abgesandten der JSPS und von Iris Wieczorek, der Geschäftsführerin des DFG Büros in Japan, wiesen auch Sakayu Shimzu (Toray Industries), Alexander Olbricht, der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland für den Raum Osaka-Kobe und Toshiya Muranaka (Geschäftsführer des FIB der Universität Osaka) auf den besonderen Charakter des Graduiertenkollegs hin.

Eröffnet wurde das Symposium durch Willem Schipper (Thermophos International), der die Notwendigkeit für ein nachhaltiges Recycling von Phosphor und mögliche europäische Strategien dafür in seinem Vortrag herausstellte. Im Anschlussvortrag informierte Hisao Ohtake über konkrete Vorhaben in Japan, um dem Mangel dieses lebensnotwendigen Elementes Abhilfe zu schaffen. Es folgten Beiträge aus den Themenfeldern „Bioraffinerie und Biotreibstoffe“ (Jochen Büchs, Akihiko Kondo, Mitsufumi Wada), die die Darstellung von funktionalen Chemikalien mit biotechnologischen Verfahren thematisierten. Im anschließenden Themenblock „Biokatalyse und Bioumsetzung“ (Yoshihiko Yasohara, Lothar Elling, Hideharu Anazawa, Hideki Tohda, Ulrich Schwaneberg, Akira Arisawa, Takashi Hayashi, Kenji Sawai, Jörg Pietruszka), wurde ein breiter Überblick über biotechnologische Katalyse gegeben, indem ein Bogen von der enzymatischen Synthese von chiralen Verbindungen, über Proteinentwicklung durch gerichtete Evolution bis hin zu anspruchsvoller Naturstoffsynthese durch enzymatische und chemische Katalyse gespannt wurde. Der zweite Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen der chemischen Katalyse: Mannigfaltige Anwendungsmöglichkeiten für multifunktionelle Polymere wurden im Themenfeld „Biomedizinische Technologie“ (Mitsuru Akashi, Martin Möller) aufgezeigt. Über die Entwicklung von Katalysatoren, die durch die Berücksichtigung supramolekularer Ordnungsprinzipien entstehen, berichteten Yoshito Tobe und Markus Albrecht in der anschließenden Themeneinheit „Molekulare Selbstordnung“. Beiträge zur asymmetrischen Synthese mit Übergangsmetallen bzw. klassische Fragestellungen aus dem Bereich der metallorganischen Chemie wurden im Themenfeld „Chemokatalyse“ (Yoshiya Fukumoto, Kazushi Mashima, Reiner Anwander, Jun Okuda, Masahiro Miura, Meike Niggemann, Nobuaki Kambe) adressiert.

Abgeschlossen wurde das zweitägige Symposium durch eine kurze Ansprache von Jun Okuda, dem Aachener Sprecher des Graduiertenkollegs, der Hisao Ohtake, dem Vertreter auf japanischer Seite, ausdrücklich für die freundliche Einladung nach Osaka und die hervorragende Organisation des Symposiums dankte. Ein Folgesymposium in Aachen ist voraussichtlich für Dezember 2012 geplant.

Für seine langjährigen, intensiven Aktivitäten im Bereich des naturwissenschaftlichen Austauschs zwischen Japan und Deutschland wurde Jun Okuda neben Christian Tagsold (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) bereits am 11. Februar 2012 vom Japanischen Kulturinstitut Köln mit dem JaDe-Preis 2012 ausgezeichnet.

Bjoern Schulte