Spin-off erspart Tierversuche

27.04.2012

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Produzenten von Chemikalien, Arzneimitteln oder Kosmetika sind verpflichtet, die Risiken, die von ihren Produkten ausgehen können, mit geeigneten Methoden zu testen. Das schreiben verschiedene europäische Richtlinien vor. Eine Abschätzung der Gefahren für das menschliche Auge macht bisher häufig Tierversuche notwendig. Neben ethischen Gründen sprechen auch Aspekte wie hohe Kosten, Verzögerungen durch komplexe Genehmigungsverfahren oder eine bedingte Übertragbarkeit auf den Menschen gegen diese Testform.

 

Wissenschaftler des Instituts für Halbleitertechnik der RWTH Aachen sind jetzt federführend an der Gründung des Unternehmens „KERATAS“ beteiligt. Der Name geht auf das griechische Wort ‚Keratos‘ für Hornhaut zurück. Ihre Entwicklung soll künftig das Dilemma der Nachweispflicht der Verträglichkeit auf der einen sowie den Schutz der Tiere auf der anderen Seite lösen: Das geplante Unternehmen stellt eine neue, tierversuchsfreie Methodik zur Verfügung, um die Wirkung von Chemie-, Pharma-, Medizin- und Kosmetikprodukten zu untersuchen. Dabei werden tierische Hornhäute aus Schlachtabfällen verwendet, deren volle biologische Aktivität mit Methoden der Organkultur über mehrere Wochen aufrechterhalten wird. In Kombination mit einer speziellen Analytik des Versuchsverlaufes erlaubt das Verfahren unter anderem erstmals die Darstellung eines Heilungsprozesses, ohne lebende Tiere zu belasten. Neben den RWTH-Wissenschaftlern Dr.rer.nat. Felix Spöler, Dr.-Ing. Stefan Kray und M.Sc Oya Kray bringen dabei die Experten des ersten medizinischen An-Instituts der Hochschule ACTO (Aachener Centrum für Technologietransfer in der Ophthalmologie e.V.) unter Leitung von Prof. Dr. Norbert Schrage ihr Fachwissen ein. Ergänzt wird das Gründerteam durch den Kaufmann Georg Langstrof. Ziel des geplanten Unternehmens ist es, die von den Gründern entwickelte universelle Testplattform für die augenspezifische Pharmakologie und Toxikologie zu kommerzialisieren.

Seit Anfang April wird "KERATAS - Dienstleistungen und Produkte für die tierversuchsfreie Analyse der Wirkung von Pharma-, Medizin-, Kosmetik- und Chemieprodukten auf das Auge" durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Form eines EXIST Forschungstransfers gefördert. Dieses Programm „unterstützt herausragende forschungsbasierte Gründungsvorhaben“. In zwei Phasen haben hierbei die Wissenschaftler die Gelegenheit, erst die Machbarkeit ihrer Geschäftsidee auszuloten und anschließend die Gründung des Unternehmens aus der Hochschule heraus vorzubereiten. Das Vorhaben wird zudem weiterhin mit Beratungsleistungen des Gründerzentrums der RWTH Aachen unterstützt, welches am Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler angesiedelt ist.