Stadträume im Spannungsfeld zwischen kommunalen und privaten Einflüssen

11.06.2012

In der Fachdebatte klang es lange Zeit so, als seien öffentlich zugängliche Räume immer auch „öffentliche“, unter Eigentums- und Verfügungsrecht der Kommune stehende Räume. Im Umkehrschluss könnten Räume in „privater Hand“ per Definition keine öffentlichen Räume sein. Auch die Vorstellung von Rollen und Verantwortlichkeiten der Akteure schien mit diesen Schwarz-weiß-Bildern zu korrespondieren: In den „öffentlichen“ Räumen wirkt allein die Gestaltungsmacht der kommunalen Planung, in den „privaten“ die der Märkte. Diese Ansichten setzen sich in der Diskussion über die „Privatisierung“ öffentlicher Räume fort. Dabei scheint es so, als würde vormals Öffentliches nun dem Privaten zugeschlagen.

 

All diese Bilder müssen jedoch hinterfragt werden: Schaut man etwas genauer hin, kann man feststellen,
dass viele „öffentliche Räume“ unserer Städte nicht allein in öffentlicher Hand liegen. Ganz alltägliche Plätze,
Parks und Promenaden sind das Produkt unterschiedlicher Aktivitäten verschiedener Akteure mit komplexen
und sich überlagernden Verantwortlichkeiten – auch private Akteure planen, entwickeln und pflegen öffentlich
nutzbare Stadträume. Darüber hinaus werden in zunehmendem Maß private Stadträume durch Umnutzung oder
Umgestaltung neu erschlossen und öffentlich zugänglich gemacht.

Öffentlich nutzbare Stadträume genauer untersuchen


Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen hat der Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung der
RWTH Aachen im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes das
Ineinandergreifen kommunaler und nicht-kommunaler Akteure bei der Planung, Entwicklung und Instandhaltung
öffentlich nutzbarer Stadträume genauer untersucht und Folgerungen für Planung und Politik identifiziert.
Doch unterschiedliche, oftmals konträre Sichtweisen geben Anlass zur Diskussion. Klar ist, dass viele private
und öffentliche Akteure im öffentlichen Raum mitmischen – aber nun wird die Frage nach dem „Wie?“ laut.

Mit den Ergebnissen und Erfahrungen aus der Forschung veranstaltet der Lehrstuhl für Planungstheorie und
Stadtentwicklung die internationale PT-Tagung 2012: „Public Space and Urban Governance. Herausforderungen
in der Koproduktion von Stadträumen in nationalen und internationalen Kontexten.“ Ziel ist es, Chancen und
Herausforderungen in der privat-kommunalen Koproduktion von Stadträumen im internationalen Kontext zu
diskutieren und zu erarbeiten.

Die eintägige Tagung am 21. Juni 2012 in Aachen gibt allen Interessierten aus Wissenschaft, Wirtschaft
und öffentlicher Hand die Möglichkeit, am multinationalen Erfahrungsaustausch teilzuhaben, sich über Modelle
zu informieren, Kontakte zu knüpfen aber auch in Arbeitsgruppen und in Diskussionen aktiv mitzuwirken.
Es werden Vorträge, Keynotes, Arbeitsgruppen sowie Diskussionen mit fachkundigen Vertretern aus Kommunen,
privaten Unternehmen und der Wissenschaft aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Frankreich und
sogar aus Australien, Chile und den USA angeboten.

Die Konferenzsprache ist Deutsch, einzelne Programmpunkte werden parallel in Englisch angeboten.

 

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