Wissenschaftspreis für alternative Verfahren zu Tierversuchen

08.12.2010

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Im Sinne des Anwenderschutzes müssen Chemikalien getestet und klassifiziert werden, bevor sie auf den europäischen Markt kommen. Das bisher praktizierte Verfahren zur Bestimmung der Augengefährlichkeit, der so genannte „Draize-Test“, basiert auf einem Tierversuch an lebenden Kaninchen. Dieses Vorgehen ist nicht zuletzt wegen der hohen Schmerzempfindlichkeit der Hornhaut äußerst umstritten.

 

Bisher steht kein vollwertiger Ersatz für diesen Tierversuch zur Verfügung. Aber es gibt vielversprechende Ansätze: Im Rahmen einer interdisziplinären Kooperation zwischen dem Institut für Halbleitertechnik (IHT) der RWTH und dem Aachener Centrum für Technologietransfer in der Ophthalmologie (ACTO) e.V. wurde eine tierversuchsfreie Alternative, der „Ex Vivo Eye Irritation Test (EVEIT)“, entwickelt.

EVEIT beruht auf zwei innovativen Versuchsansätzen. Eine von ACTO entwickelte Hornhautkultur erlaubt es, den Stoffwechsel von Kaninchenhornhäuten, die aus Schlachtabfällen gewonnen werden, über viele Tage stabil zu halten. So kann eine chemische Verletzung unter realistischen Bedingungen nachvollzogen und sogar der Heilungsprozess beobachtet werden. Mit dem von Dr. Spöler am Institut für Halbleitertechnik vorangetriebenen medizinischen Bildgebungsverfahren der optischen Kohärenztomographie lässt sich dieser Prozess sehr detailliert darstellen. Diese innovative Messtechnik gestattet eine qualitative und quantitative schichtweise Analyse der geschädigten Areale und ermöglicht eine Bewertung des Schädigungs- und Heilungsverlaufes der Verletzung. Das neue tierversuchsfreie Verfahren EVEIT soll den umstrittenen Draize-Test in Zukunft vollständig ersetzen.

Für seine Arbeit bei diesem Projekt erhielt Dr. Felix Spöler jetzt den Wissenschaftspreis der European Partnership for Alternative Approaches to Animal Testing (EPAA). Die Auszeichnung wurde in diesem Jahr erstmals verliehen und soll jungen Wissenschaftlern einen Anreiz bieten, sich an der Erforschung und Entwicklung von Alternativen zum Tierversuch aktiv zu beteiligen. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert und dient der Finanzierung der wissenschaftlichen Weiterentwicklung des Testverfahrens. Die Wissenschaftler des IHT und ACTO wollen in einem nächsten Schritt die Anwendbarkeit des neuen Verfahrens in einem industriellen Umfeld demonstrieren.

i. A. Sabine Busse