Aachener Projekt „econnect Germany“ hat Leuchtturmfunktion

18.07.2012

Bundesregierung fördert interdisziplinäre Forschung im Bereich Informations und Kommunikationstechnik (IKT) in der Elektromobilität. Die Auszeichnung des Projekts „econnect Germany“ zum Leuchtturmprojekt der Elektromobilität belegt den hohen Stellenwert der Informatik an der RWTH Aachen und honoriert die hohe Qualität der hier geleisteten interdisziplinären Forschung. Die RWTH Aachen ist mit sechs Instituten unter Federführung des Lehrstuhls für Datenbanken und Informationssysteme (Prof. Dr. Matthias Jarke) am Projekt maßgeblich beteiligt.

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Am 20. Juni 2012 gab das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) auf der Tagung e2day(s) in Aachen bekannt, dass das Projekt econnect Germany aus dem Elektromobilitätsprogramm der Bundesregierung zum Leuchtturm im Bereich IKT in der Elektromobilität ausgewählt wurde. Econnect Germany erforscht die Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte im kommunalen Umfeld (Stadtwerke). Im Vordergrund steht dabei die intelligente Vernetzung von Energie- und Verkehrssystemen durch Informations- und Kommunikationstechnik
(IKT).

Die Aachener smartlab GmbH, eine Tochtergesellschaft der STAWAG, koordiniert das Projekt. Die RWTH Aachen ist mit sechs Instituten unter Federführung des Lehrstuhls für Datenbanken und Informationssysteme (Prof. Dr.
Matthias Jarke) mit 13 Mitarbeitern und einem Projektbudget von 2,7 Millionen Euro für den Zeitraum von zweieinhalb Jahren maßgeblich beteiligt.

Die Bundesregierung hat in ihrem Regierungsprogramm vom 18. Mai 2011 für die Elektromobilität besonders relevante Themenfelder benannt, welche die Basis für die so genannten Leuchttürme der Elektromobilität bilden. In den Leuchttürmen werden besonders herausragende Projekte der jeweiligen Themenfelder gebündelt. Die Wahl
zu einem Leuchtturmprojekt ist somit eine Art Gütesiegel für besonders wichtige Innovationen, die einen bedeutenden Beitrag zum technologischen Fortschritt oder der Kostensenkung in der Elektromobilität leisten.
Der Forschungsverbund verfolgt einen dezentralen Ansatz. Die Stadtwerke betreiben zusammen mit Forschungs- und Entwicklungspartnern fokussierte Forschung und Entwicklung vor Ort. Sie profitieren dabei von intensivem Wissens- und Technologientransfer zwischen allen beteiligten Partnern. Die geographische und thematische Streuung gewährleistet die nötige inhaltliche Breite, um zukunftsweisende Konzepte zu entwickeln und zu erproben.

Das Projekt econnect Germany

Ziel von econnect Germany ist es, Elektromobilität deutschlandweit zukunftsfähig zu gestalten. Dazu werden nachhaltige, intelligente elektromobile Verkehrsanwendungen (Smart Traffic) und die Integration der Elektromobilität in das intelligente Stromnetz der Zukunft (Smart Grid) mittels Informations- und Kommunikationstechnologie erforscht, entwickelt und erprobt.

Besondere Berücksichtigung findet dabei die Infrastruktur von Stadtwerken. In Trier wird ein intelligentes Parkhaus mit autarker Ökostrom-Versorgung entwickelt, während sich die Stadtwerke im Allgäu und auf Sylt der Verbindung von Elektromobilität und Tourismus widmen. In Aachen steht unter anderem das Aufladen von Elektro-Fahrzeugen zu Hause in Verbindung mit dem Smart Home im Fokus, in Duisburg das Laden am Arbeitsplatz. An einer elektromobilen Verkehrskette mit Beteiligung möglichst vieler verschiedener Fortbewegungsmittel arbeiten die Stadtwerke Osnabrück und setzen den Schwerpunkt damit ebenso wie die Stadtwerke Leipzig auf intermodale Verkehrskonzepte.

Die Grundlagen des Mobilitätskonzepts wurden unter Leitung von Dr. Karl-Heinz Krempels und Christoph Terwelp vom RWTH-Lehrstuhl für Datenbanken und Informationssysteme in mehreren interdisziplinären Workshops am Leibniz-Zentrum für Informatik Schloss Dagstuhl erarbeitet. So entstand die Basis für die Entwicklung eines multimodalen und weitgehend elektrisch betriebenen Mobilitätsangebots, das den Reisenden erlaubt, für jeden Reiseabschnitt passende umweltfreundliche Verkehrsmittel zu wählen und diese zu einer effizienten Gesamtroute zu kombinieren. Um den Planungs- und Organisationsaufwand für den Reisenden zu senken, wird eine Anwendung für Mobilgeräte entwickelt, die eine Tür-zu-Tür-Navigation auf Basis von Echtzeitdaten ermöglicht.

Weiteren Themenfelder des Projekts sind IKT-Anwendungen und Infrastrukturen für Smart-Grid und elektrische Antriebstechnik. In diesem Umfeld wird von den beteiligten Instituten in Kooperation mit Industriepartnern ein Home Charger für netz- und preisgesteuertes Demand Site Management (DSM) entwickelt und die Abrechenbarkeit von dynamischen Netz- und Beschaffungstarifen für Energieversorger realisiert. Die Integration des Home Chargers in das Smart Home soll eine Energierückspeisung ermöglichen.

Zudem soll ein Clearinghaus regions- und länderübergreifenden elektromobilen Verkehr erlauben und innovative
Schnellladetechniken die Gleichstromladung von Fahrzeugakkus beschleunigen. Mit der Beteiligung von vier Bereichen der RWTH Aachen (Informatik, Maschinenwesen, Elektrotechnik, Philosophische Fakultät) ist econnect Germany ein gutes Beispiel für die im Exzellenzkonzept RWTH 2020 geforderte interdisziplinäre Zusammenarbeit an den „grand challenges“ unserer Gesellschaft.

Neben dem Lehrstuhl für Datenbanken und Informationssysteme, Prof. Dr. Matthias Jarke und Dr. Karl-Heinz Krempels, sind das Institut für Kraftfahrzeugwesen, Prof. Dr. Lutz Eckstein, das Institut für Hochspannungstechnik, Prof. Dr. Armin Schnettler, das Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe, Prof. Rik W. De Doncker und Prof. Dirk Uwe Sauer, das Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft, Prof. Albert Moser, das Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaften, Prof. Eva-Maria Jakobs und Prof. Martina Ziefle, und das Forschungsinstitut für Rationalisierung, Prof. Dr. Günther Schuh und Prof. Dr. Volker Stich, sowie mehrere Aachener Unternehmen am Projekt econnect Germany beteiligt.