Smarte Energiequartiere und neue Wärmenetze

22.07.2019

RWTH mit zwei Projekten unter den Gewinnern des Ideenwettbewerbs „Reallabore der Energiewende“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

 

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) ausgerufenen Ideenwettbewerbs „Reallabore der Energiewende“ wurden aus insgesamt 90 Konsortien 20 Projekte ausgewählt, die in den kommenden Wochen und Monaten Anträge auf Fördermittel stellen können. Dafür stellt das BMWi jährlich mehr als 100 Millionen Euro zur Verfügung. Zwei der ausgewählten Projekte sind unter Beteiligung mehrerer Institute der RWTH entstanden. An der Ausarbeitung der Projektideen sowohl für das Projekt „SmartQuart“ als auch für das Projekt „TransUrbanNRW“ waren jeweils drei Institute der Aachener Hochschule beteiligt. Beide Projekte gehören zum Bereich energieoptimierte Quartiere. In dem neuen Format der Reallabore sollen zukunftsfähige Energietechnologien unter realen Bedingungen und im industriellen Maßstab erprobt werden.

Smarte Energiequartiere

Um die Klimaziele zu erreichen, müssen die Sektoren Energie, Wärme und Mobilität stärker als bislang miteinander verknüpft werden. „SmartQuart“ soll zeigen, dass dies innerhalb eines Quartiers und im Zusammenspiel mit benachbarten Bereichen bereits heute technisch und wirtschaftlich möglich ist. Das Reallabor wird durch die Städte Essen und Bedburg in Nordrhein-Westfalen sowie Kaisersesch in Rheinland-Pfalz gebildet.

Die Stadtquartiere werden jeweils in sich und miteinander vernetzt, damit die vorhandenen Energieinfrastrukturen effizient genutzt werden können. Smart-Grid-Lösungen koppeln Wärme, Kälte, Öko-Strom, Wasserstoff und den Bereich Mobilität intelligent miteinander, um in den Modellregionen eine klimaneutrale Energieversorgung zu erreichen. In allen drei Stadtquartieren beteiligen sich Bewohner, Energieversorger und lokale Technologieanbieter an dem Projekt. Das Projekt repräsentiert typische Stadtquartiere in einem eng verdichteten, ländlichen sowie städtischen Raum, sodass die Konzepte auf andere Quartiere übertragbar sind. Seitens der RWTH sind der Lehrstuhl für Gebäude- und Raumklimatechnik (EBC), der Lehrstuhl für Energieeffizientes Bauen (e3d) sowie das Lehr- und Forschungsgebiet Immobilienprojektentwicklung (IPE) in das Projekt involviert.

TransUrbanNRW

Das Reallabor „TransUrbanNRW“ transformiert die Wärmeversorgung an fünf Standorten in Nordrhein-Westfalen. Bisher werden die von Braunkohleabbau geprägten Quartiere über Fernwärmenetze versorgt. Im Reallabor setzt das Konsortium auf Wärmenetze der fünften Generation, die erneuerbare Energien und Abwärme auf allen Temperaturniveaus einbinden.

Diese neuen Wärmenetze fungieren als eine Energieplattform für Verbraucher, die sowohl Energie nutzen als auch selber einspeisen. Der notwendige Erzeugungsmix für die Wärme- und Kältebereitstellung kann bei diesen Wärmenetzen aus fossilen und CO2-freien Erzeugungskapazitäten synthetisiert werden. Dies ermöglicht einen schrittweisen Umbau von der heutigen fossilen Erzeugung in eine strombasierte und zunehmend regenerative Wärme- und Kältebereitstellung. Im Zuge des Kohleausstiegs wandelt sich damit die Rolle des klassischen Fernwärmeversorgungsunternehmens zu Energieplattformanbietern für Wärme, Kälte, Strom und Mobilität.

Seitens der RWTH wird das Projekt unter Koordinierung der E.ON Energy Solutions GmbH von mehreren Instituten des E.ON Energy Research Center (ERC) der RWTH sowie dem Institut für Solare Energiesysteme (ISE) der Fraunhofer-Gesellschaft begleitet.

Redaktion: Presse und Kommunikation