Kármán-Preis für Christine Blesinger

10.12.2012

Und es geht doch: Auch wenn die starke Belastung der Studierenden immer wieder thematisiert wird - Christine Blesinger zeigte, dass Studium und ehrenamtliches Engagement miteinander vereinbar sind. Die heutige wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Technische Thermodynamik der RWTH hat während ihres Maschinenbaustudiums nicht nur Kraftübertragung, Strömungslehre und Maschinenelemente gebüffelt. Darüber hinaus setzte sie sich in vielen Funktionen und Ämtern für die Belange der Studierenden und der RWTH ein. Für dieses vorbildliche Verhalten erhielt sie den Kármán-Preis der Hochschule. Die Vergabe dieses Preises beschließt der Senat der RWTH Aachen. Mit dem Preis werden die herausragenden Verdienste von Christine Blesinger um die Lehre und ihr besonders Engagement für die RWTH Aachen - verbunden mit ihrer sehr guten Studienleistung - gewürdigt.

  Christine Blesinger wurde mit dem Kármán-Preis 2012 der RWTH ausgezeichnet. Urheberrecht: Peter Winandy Als wissenschaftliche Mitarbeiterin betreut Christine Blesinger, die jetzt mit dem Kármán-Preis der RWTH ausgezeichnet wurde, Studierende des Maschinenwesens in einer Übung.

Konstruktives Miteinander

„Es besteht immer die Wahl, Veränderungsprozesse geschehen zu lassen oder diese aktiv mitzugestalten“, erläutert Blesinger. Letzteres liegt der gebürtigen Trierin. Schon als Gymnasiastin engagierte sie sich in der Schülervertretung am Rhein-Sieg-Gymnasium in Sankt Augustin. Die dabei häufigen Aktivitäten wie Partyorganisation, Kiosk-Verkauf und Schülerzeitung wurden während ihrer Studienzeit durch vermeintlich trockenere Themen wie Finanzen, Bauprojekte, Neuordnung der Rahmenprüfungsordnung oder Verbesserung der Lehre abgelöst. „Eine zu harte Prüfungsordnung kann während des Studiums richtig weh tun“, berichtet die Preisträgerin. Um die Interessen der Studierenden zu vertreten, arbeitete sie 2008/2009 in der Satzungskommission für die Rahmenprüfungsordnung an der RWTH Aachen mit. Kompromisse im Sinne aller finden war hier wie auch in anderen Gremien ihre Intention. Mit dem Ergebnis ist Christine Blesinger zufrieden: „Letztlich mussten wir im Maschinenbau einige Federn lassen. Dafür haben wir für die Studierenden der anderen Fakultäten aber bessere Bedingungen, insbesondere bei den mündlichen Prüfungen, erreicht.“

In den nächsten Semestern folgten viele weitere Aktivitäten in Hochschulgremien - beispielsweise im Fakultätsrat, in der Haushalts- und Strukturkommission, der Kommission für die Verwendung der Studienbeiträge oder als Sprecherin für die Gruppe der Studierenden im Senat. „Doch die Sternstunde der Christine Blesinger kam, als sich die RWTH im bundesweiten Wettbewerb Exzellenz der Lehre bewähren musste“, so die Einschätzung von Prof. Dr. Dr. Wolfgang Thomas. Der ehemalige Senatsvorsitzender hielt die Laudatio für Blesinger während der Verleihung im Rahmen einer Feierstunde in der Aula des Hauptgebäudes.

Botschafterin des „Aachen Way“

Zunächst arbeitete die Ingenieurstudentin laut Thomas aktiv im Redaktionsteam und engagiert bei der Antragstellung mit. Ihr Hauptverdienst bestand aber seiner Meinung nach darin, dass sie in Berlin vor der Jury auch den wesentlichen Teil der Präsentation übernahm. „Und so trat Frau Blesinger furchtlos auf die Bühne, nachdem dort gerade der Achtung gebietende, entschieden auftretende Präsident der TU München gesprochen hatte, und sie gewann mit ihrem begeisternden und sachkundigen Vortrag sofort die Herzen der Juroren“, erinnert sich der Lehrstuhlinhaber der Informatik 7. Christine Blesinger sei eine ideale Botschafterin des „Aachen Way“, dem Zusammenwirken aller Gruppen, wenn es um zentrale Anliegen der Hochschule gehe. Die RWTH Aachen bekam die beantrgaten Fördermittel, um die geplanten Verbesserungen in der Lehre auch in die Tat umzusetzen.

2011 schloss Blesinger ihr Maschinenbaustudium erfolgreich ab, zurzeit arbeitet sie an ihrer Promotion am Institut für Thermodynamik. Statt Studiengebühren oder Hochschulstrategien gilt ihr Interesse hier der „Mehrkomponentendiffusion in Flüssigkeiten“. Mittlerweile sitzt die Ingenieurin wieder im Senat: als Vertreterin der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ilse Trautwein