Kulturerbe und Stadtentwicklung in Istanbul

31.05.2013

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Architekturstudierende der RWTH und von vier türkischen Partneruniversitäten haben sich in Istanbul zu einer Summer School getroffen. Sie entwickelten dort eine Zukunftsvision für das UNESCO Welterbe „Theodosianische Landmauern“. Die Summer School fand auf Initiative des RWTH-Lehrstuhls für Landschaftsarchitektur unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Frank Lohrberg statt. Auch das Lehr- und Forschungsgebiet Stadtbaugeschichte und der UNESCO Chair for World Cultural and Urban Landscapes waren beteiligt.

 

Im Jahr 2013 kann das 1.600jährige Bestehen der „Theodosianischen Landmauern“ gefeiert werden, sie wurden im Jahr 413 n. Chr. fertiggestellt. Die Landmauern römisch-byzantinischen Ursprungs schützten als Verteidigungssystem einst Konstantinopel gegen Angriffe. Entlang der Mauern zieht sich heute einer der wenigen grünen Freiräume der Millionenstadt Istanbul. Hier hat sich Gemüseanbau als eine traditionelle Nutzung erhalten, der ebenfalls ein Wert als immaterielles Kulturerbe zugesprochen werden kann. In den letzten Jahren gab es zahlreiche negative Entwicklungen, die dazu führen, dass neue Strategien für den Erhalt der Landmauern und deren Einbettung in eine nachhaltige Stadtentwicklung der wachsenden Metropole Istanbul dringend benötigt werden. Verkehrs- und Infrastruktureinrichtungen bedrängen aktuell das Mauerumfeld, angrenzende Stadtteile werden baulich verdichtet. Die Stadtmauern selbst befinden sich in einem schlechten Zustand und drohen zu zerfallen. Bisherige Restaurierungsarbeiten entsprechen nicht den Ansprüchen der UNESCO und mussten daher gestoppt werden. Die Welterbestätte ist in großen Teilen nicht zugänglich. Auch Entwicklungen, die mit dem Welterbestatus vereinbar scheinen, wie die Schaffung von Parkanlagen im Vorfeld der Mauern, gehen wenig sensibel mit dem Kulturerbe der Stadtgärten um und nehmen dem Welterbe damit die Einbindung in die lokale Kultur und Tradition.

Aufbauend auf einer Ortsbesichtigung und Einführungsvorträgen lokaler Experten haben die Studierenden in intensiver Zusammenarbeit sechs Entwürfe für den Schutz und die Zugänglichkeit der Landmauern sowie die Gestaltung der begleitenden Stadträume entwickelt. Die Entwürfe wurden in einer öffentlichen Abschlusspräsentation den Akteuren der Stadtentwicklung vorgestellt. Die acht Studierenden aus Aachen werden ihre Ideen im Rahmen einer einsemestrigen Projektarbeit weiterentwickeln.

„Die RWTH-Studierenden sind von der Gastfreundschaft ihrer türkischen Kommilitonen begeistert. Gegenbesuche unter Studierenden sind geplant und auch in der Lehre wird die weitere Veranstaltung von Summer Schools zu Kulturerbe und Stadtentwicklung angestrebt“, berichtet Dipl.-Ing. Axel Timpe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur.