Apodius und Co: Aus der RWTH Aachen gehen jedes Jahr Jungunternehmen hervor

22.10.2013

Alexander Leutner und Jonathan Roberz sind RWTH-Wissenschaftler und gleichzeitig Jungunternehmer. Gemeinsam bilden sie die Geschäftsführung der Firma Apodius mit Sitz in Aachen. Ihr Produkt: ein optisches Prüfsystem namens „Apodius Vision System“, das die Qualität von Faserverbundwerkstoffen sicherstellt. Automobilhersteller, Flugzeugbauer und Zulieferer zeigen bereits großes Interesse. Das innovative Produkt ermöglicht eine Automatisierung der Qualitätskontrolle im Produktionsprozess. „Bislang werden diese Inspektionen nur stichprobenartig und erst am fertigen Bauteil manuell von Qualitätsprüfern durchgeführt. Durch den Einsatz unserer Sensorik wird die Messung deutlich genauer und vor allem objektiv nachvollziehbar“, erklärt Leutner.

  Urheberrecht: Peter Winandy RWTH-Professor Schmitt (Mitte) unterstützte die Entwicklung des optischen Prüfsystems Apodius der Jungunternehmer Alexander Leutner (links) und Jonathan Roberz (rechts).

„Faserverbundwerkstoffe gelten als Leichtbauwerkstoffe der Zukunft - vor allem im Automobil- und Flugzeugbau werden sie aufgrund ihrer hervorragenden Materialeigenschaften in immer mehr Bereichen eingesetzt“, ergänzt sein Kollege Roberz. Sie sind im Vergleich zu Stahl und anderen Materialien ausgesprochen leicht und formbar. Bei der Produktion dreidimensionaler Bauteile - so bei Stoßfängern oder kompletten Fahrgastzellen in Automobilen - besteht allerdings die Gefahr, dass während des Verformens spannungsbedingt Faserbrüche oder ähnliches entstehen können. „Unser System spürt die fehlerhaften Stücke während des Verarbeitungsschrittes auf, was Produktionskosten spart“, so Leutner. Hierfür scannt ein Sensor, der auf einem Roboterarm in die Fertigungsstraße integriert wird, die Orientierung der einzelnen Fasern an der Materialoberfläche eines Bauteils und leitet diese Informationen in Form eines Bildes an einen Rechner weiter. Dieser gleicht die Daten mit Hilfe des eigens entwickelten Softwaretools mit den vorgegebenen Sollwerten ab. Weichen die Werte ab, wird das Bauelement sofort aus der Produktion genommen - und nicht erst bei der Endkontrolle des fertigen Produkts.

Die RWTH Aachen wurde 2013 für ihr ganzheitliches Förderkonzept prämiert

„Das optische Prüfsystem von Apodius hat sich aus dem ‚Innovationsnetzwerk FALCON-Inline-Prüfung von faserverstärkten Kunstoffen‘ heraus entwickelt“, berichtet Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt, Leiter des Lehrstuhls für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement am Werkzeugmaschinenlabor der RWTH. Unter seiner Regie nahm Apodius konkrete Formen an. Studierende und Doktoranden, darunter auch Leutner und Roberz, hatten im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten FALCON-Projekts gemeinsam mit Industriepartnern und anderen wissenschaftlichen Instituten Messinstrumente für Verbundfasern als Prototypen entwickelt. Die traditionell guten Kontakte des Werkzeugmaschinenlabors in die Industrie machten sich auch in diesem Fall bezahlt – die Kooperationspartner waren und sind die ersten Kunden des Spin-off-Unternehmens. Um die Produktion und den Vertrieb des Produktes zu koordinieren, musste Ende 2012 eine Firma gegründet werden: Das war die Geburtsstunde von Apodius und dem Jungunternehmertum von Alexander Leutner und Jonathan Roberz. "Als Hochschullehrer freuen wir uns, wenn unsere Forschungen durch Gründungen weitergetragen werden. Sie sind die sichtbaren Früchte erfolgreicher Arbeit“, betont hierzu Professor Schmitt.

Für Schmitt ist Apodius nur ein Beispiel für den Innovationsgrad und die erfolgreiche Gründungsförderung der Aachener Hochschule. Neben der hohen fachlichen Expertise trage hierzu auch die professionelle Unterstützung der RWTH im Bereich der Gründerförderung bei: „Die RWTH hat ein ganzheitliches Konzept entwickelt, mit dem sie potenzielle Gründer unterstützt. Dazu gehört unter anderem das Gründerzentrum als zentrale Anlaufadresse. Hier erhalten Interessierte professionelle Hilfe - sei es bei der Businessplan-Erstellung, bei Marketing oder Finanzierung.“ Das Förder-Konzept der RWTH überzeugte Anfang des Jahres auch die Jury des Wettbewerbs „EXIST Gründerkultur – Die Gründerhochschule“, der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie initiiert worden war. Die Hochschule zählt nun zu den zwölf ausgezeichneten Universitäten, die in den nächsten fünf Jahren Fördergelder zum Ausbau ihrer Gründerförderung erhalten.