RWTH-Professor Frank Schneider initiiert Ausstellung im Deutschen Bundestag

29.01.2014
Professor Schneider explains exhibits to Federal President Joachim Gauck and Bundestag Vice-President Ulla Schmidt Urheberrecht: Deutscher Bundestag/Achim Melde

Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus  

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Frank Schneider

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Sie wurden zwangssterilisiert, zu medizinischen Versuchen herangezogen und ermordet: Kranke und behinderte Menschen gehörten zu den Verfolgten des Nationalsozialismus. Seit dem 27. Januar 2014 erinnert eine Ausstellung im Deutschen Bundestag daran, die Univ.-Prof. Dr.med. Dr.rer.soc. Frank Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Uniklinik RWTH Aachen, initiiert hat. Die Ausstellung wurde von der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Ulla Schmidt, eröffnet.

Die als Wanderausstellung konzipierte Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“ wird von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Kooperation mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Topographie des Terrors gezeigt. Sie steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck, der die Ausstellung gleich am Eröffnungstag besuchte.

Bis zu 400000 Menschen wurden ab 1934 gegen ihren Willen sterilisiert, mehr als 200.000 in den damaligen Heil- und Pflegeanstalten ermordet. Bei der Selektion spielten Mediziner vielerorts eine unrühmliche Rolle, indem sie ihre Patientinnen und Patienten nach den nationalsozialistischen Maßgaben von „Heilbarkeit“ oder „Arbeitsfähigkeit“ einstuften. „Kranke und behinderte Menschen galten als Belastung für die deutsche `Volksgemeinschaft´. Ihre Verfolgung geschah inmitten der deutschen Gesellschaft, unterstützt von Medizinerinnen und Medizinern“, berichtet Frank Schneider. Der Psychiater hatte sich schon während seiner Amtszeit 2009/2010 als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) der Frage der Verantwortung der Psychiater gestellt und unter anderem eine Kommission zur historischen Aufarbeitung der Rolle der Psychiatrie während der NS-Zeit ins Leben gerufen.

Die Ausstellung nimmt den Wert des Lebens als Leitlinie und beschäftigt sich mit den gedanklichen und institutionellen Voraussetzungen der Morde. Außerdem ziehen sich Biografien von Verfolgten durch die gesamte Ausstellung: Gezeigt werden zahlreiche Fotos und Dokumente aus ihrem Privat- und Familienleben. In Verwaltungsdokumenten und in den Krankenakten der Opfer werden die verschiedenen Akteure fassbar, die an den Verbrechen beteiligt waren. In einem umfangreichen Katalog sind viele Texte, Bilder und Dokumente dargestellt. Die deutsch-englische Ausstellung wird in den nächsten Jahren in vielen Orten Deutschlands und Europas zu sehen sein.

Im Bild:

Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (Mitte) eröffnete im Foyer des Paul-Löbe-Hauses in Berlin die Ausstellung "erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus", deren Schirmherr Bundespräsident Dr. Joachim Gauck (zweiter von links) ist. Die Ausstellung wurde initiiert von RWTH-Professor Frank Schneider (rechts).