Ausstieg aus Kernenergie und Kohle

02.04.2020

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RWTH-Studie mit Forschungsergebnissen zu den Auswirkungen des Kernenergie- und Kohleausstiegs auf die Stromversorgung.

 

Verschlechterungen der zuverlässigen Stromversorgung sind häufig wesentliche Bedenken gegen den Ausstieg aus der Kernenergienutzung und Kohleverstromung. Professor Aaron Praktiknjo und sein Mitarbeiter Lars Nolting von der Juniorprofessur für Energieressourcen- und Innovationsökonomik der RWTH veröffentlichten eine Studie in der internationalen Fachzeitschrift Applied Energy, die Auswirkungen des deutschen Kernenergie- und Kohleausstiegs auf die deutsche Stromversorgung eingehend untersucht.

Ihre Ergebnisse zeigen, dass aus Perspektive der Versorgungssicherheit keine akute Notwendigkeit besteht, vom geplanten Kernenergie- und Kohleausstieg abzuweichen. Das Niveau der Versorgungssicherheit werde zwar mittelfristig abnehmen, ein Abweichen von den Ausstiegspfaden sei aber aus ökonomischen Gründen nicht notwendig. „Die gesellschaftlichen Kosten von Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des bisherigen Versorgungssicherheitsniveaus würden den damit verbundenen volkswirtschaftlichen Nutzen übersteigen“, erläutert Praktiknjo und fügt einschränkend hinzu: „Der Ausbau der Stromnetze wie auch der Zubau der erneuerbaren Energien dürfen sich allerdings nicht wesentlich verzögern.“ Insbesondere die Windenergie müsse in den nächsten fünf Jahren im eingeplanten Umfang ausgebaut werden. „Über die aktuellen Ausstiegspläne hinaus sollten allerdings vorerst keine weiteren Kraftwerke stillgelegt werden“, fügt der Energieforscher hinzu.

In Deutschland standen in den letzten Jahrzehnten im Mittel stets ausreichend Kraftwerke zur Verfügung, um den Strombedarf für alle Verbrauchergruppen zu decken. Mit den geplanten Stilllegungen wird statistisch an bis zu drei Stunden des Jahres der Strombedarf mittelfristig nicht mehr für alle Verbraucher vollständig gedeckt werden können. „Damit würde sich das Versorgungssicherheitsniveau in Deutschland aber lediglich an europäische Standards wie beispielsweise in Belgien, Frankreich oder den Niederlanden angleichen“, erklärt Nolting. Hierfür müsse sich Deutschland in Zukunft aber auch zunehmend auf Stromimporte aus den europäischen Nachbarländern verlassen, was allerdings aus Sicht der Aachener Energieforscher prinzipiell unproblematisch ist. „Nationale Energiepolitik sollte jedoch in Zukunft verstärkt auch auf europäischer Ebene koordiniert werden“, ergänzt Praktiknjo.

Die Studienergebnisse wurden in der internationalen Fachzeitschrift Applied Energy veröffentlicht. Die Fachpublikation ist online verfügbar.

Redaktion: Presse und Kommunikation