Die Ärzte der Nazi-Führer

24.10.2016

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Sie waren die Leibärzte und damit Vertraute von Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Hermann Göring und wichtigen Gauleitern. Männer wie Theodor Morell, Karl Brandt, Hugo Blaschke und Felix Kersten haben als Ärzte im Dritten Reich an entscheidender Stelle gewirkt. Wie, in welcher Rolle und mit welchen Folgen wird am 27. und 28. Oktober 2016 im Aachener Centre Charlemagne während der Fachtagung „Die Ärzte der Nazi-Führer – Karrieren und Netzwerke“ analysiert und diskutiert. Das Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der RWTH Aachen lädt damit zur ersten nationalen Fachtagung zu den Leib- und Begleitärzten der Nazi-Führer.

 

Prominente Referenten, darunter der Aachener Jens Westemeier – er sorgte aktuell mit einem Buch über den SS-Hauptsturmführer Jauß für Aufsehen –, werden verschiedene Behandler-Gruppen thematisieren: von Hausärzten über Fachärzte bis hin zu Dentisten, soweit diese im näheren Umfeld führender Nationalsozialisten tätig waren. „Diese Personengruppen wurde in Deutschland noch nicht systematisch erforscht“, erklärt Professor Dominik Groß, Leiter des Lehrstuhls und des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der RWTH. Er veranstaltet zusammen mit Instituts-Mitarbeiter Dr. Mathias Schmidt die Tagung.

Verbrechen im angeblichen Wahn

Einmal mehr sind die Aachener damit Vorreiter in der Aufarbeitung der Medizin im Nationalsozialismus. „Die Haus-, Leib- und Begleitärzte sind ein lohnender Untersuchungsgegenstand: Sie lassen weitreichende Aussagen zu Karrierestrategien und Netzwerkbildung erwarten. Die von ihnen gestellten Diagnosen und die damit verbundenen Pathologisierungen wurden zudem nicht selten als Erklärung oder gar als Exkulpationsstrategie genutzt“, erklärt Groß. So galt Hitler in verschiedenen Darstellungen wahlweise als schizophren, litt vermeintlich unter Folgeschäden des Ersten Weltkrieges, unter Medikamentenmissbrauch oder unter den Spätfolgen einer falsch durchgeführten Hypnose. „Die Verbrechen der NS-Zeit werden so zu Ereignissen umgedeutet, die im angeblichen Wahn betrieben wurden. Die persönliche Verantwortung der Akteure wird durch medizinische Zweifel an ihrer Schuldfähigkeit in Frage gestellt oder doch relativiert - eine Sichtweise, die auch die Kollektivschuld des deutschen Volkes in einem verklärten Licht erscheinen lässt“, betont der RWTH-Experte.

Sein Lehrstuhl wird das Thema nach der Tagung weiter ausführen: Es hat den Zuschlag für das erste offizielle nationale Aufarbeitungsprojekt zur Geschichte der Zahnärzteschaft im Dritten Reich erhalten. Die Arbeiten haben vor etwa einem Monat begonnen.

Redaktion: Presse und Kommunikation