RWTH lud zum Wissenschaftsevent in Berlin

07.05.2021
Wissenschaftsabend RWTH Urheberrecht: Stefanie Loos

Hochkarätiger Diskussionsabend mit Kanzlerin Merkel und Ministerpräsident Laschet: „Bei der Suche immer ein, zwei Schritte voraus“

 

Universitäten auf der ganzen Welt haben den Anspruch, sich ständig neuen Herausforderungen stellen zu können. Doch ist das historisch gewachsene System Hochschule ausreichend aufgestellt, um diesem Anspruch mit der notwendigen Handlungsschnelligkeit gerecht zu werden? Und was erwartet dabei die Gesellschaft von ihren Universitäten? Diese Ausgangssituation motivierte die RWTH Aachen, unter dem Titel „The New Fiction of a Good Science – in Need of a Paradigm Shift?!“ zu einem hybriden Wissenschaftsabend mit Standort in der ständigen Vertretung des Landes NRW in Berlin einzuladen.

RWTH-Rektor Professor Ulrich Rüdiger und Hochschulkanzler Manfred Nettekoven betonten, wie wichtig ein solch intensiver Austausch sei. Geplant war die Veranstaltung als Auftakt der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der RWTH in 2020, die Pandemie zwang dann zur Absage. Dennoch blieb die RWTH bei ihrem Vorhaben, eine Diskussion zu den zentralen Fragen guter Wissenschaft in Gang zu setzen.

Unter Beteiligung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Schirmherr der Veranstaltung, standen die Innovationsfähigkeit und Robustheit von Universitäten wie der RWTH, aber auch des Wissenschaftssystems insgesamt jetzt im Mai 2021 im Fokus. „Die Aachener Uni zeichnet sich dadurch aus, dass das Erlernte und Erforschte in der Praxis eingesetzt wird. Bei der Suche nach Antworten bleibt die RWTH stets auf Höhe der Zeit, wenn sie nicht gerade sogar ein, zwei Schritt voraus ist“, erklärte die Bundeskanzlerin.

„Immer weiter so“ wird es nicht geben

In drei Runden wurde nach einer Bestandsaufnahme die erforderliche Entwicklung in der Lehre als Voraussetzung für Transfer und Innovationen durch Universitäten diskutiert. Deutlich wurde grundsätzlich, dass es ein „immer weiter so“ nicht geben darf. So stellte die Pandemie die Hochschulen bereits vor die Herausforderung, sich in kürzester Zeit zu reformieren.

Anant Agarwal, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Gründer der digitalen Universität edX, sprach als ein Keynoter von der „neuen Normalität“, die nun herrsche. Er sieht die Chance einer globalen Ausbildung, dass Studierende in Zukunft aus den besten Bildungsangeboten weltweit auswählen können und virtuell Kurse von jedem beliebigen Ort aus besuchen. Keynoterin Lynda Gratton, Professorin an der London Business School, ging noch einen Schritt weiter: Sie will Lehre grundsätzlich neu denken – nicht nur in online-Formaten, sondern auch strukturell.

In welchem Umfang oder in welcher Qualität Digitalisierung notwendig und effizient ist, stand im Fokus des Veranstaltungsteils „University 4.0: Teaching and Learning in the ERA of the Fourth Industrial Revolution“ mit. Unter der Moderation von Prasanna Oommen wurde im Gespräch von Professor Simone Buitendijk, Vice-Chancellor der Universität Leeds, Professorin Anna Karlsson-Bengtsson, Vice-President der Chalmers Universität, Professor Andreas Barner, Präsident des Stifterverbandes, und dem Aachener Promovend Raphael Kiesel deutlich, dass Digitalisierung allein keine hinreichende Verbesserung der Lehre zur Folge habe.

Sind Erwartungen von außen erfüllbar?

Dr. Anne Schreiter, Geschäftsführerin der German Scholars Organization, RWTH-Prorektor Malte Brettel setzten sich unter dem Titel „University Mission (Impossible?): From Role Model to Supermodel“ mit Dr. Georg Schütte, Generalsekretär der Volkswagen Stiftung, Dr. Wolfgang Rohe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, Professorin Rianne Letschert, Rektorin der Universität Maastricht, Professor Thomas Girst, Leiter Kulturmanagement BMW Group, und Stefan Hilterhaus, Künstlerischer Leiter von PACT Zollverein, mit Ansprüchen auseinander, die heute und in Zukunft auch von außen an die Hochschulen herangetragen werden.

Ob die Rahmenbedingungen die Erfüllung solcher Erwartungen möglich machen, wurde in der Runde „Deep Tech, High Touch: The New University Innovation Ecosystem“ thematisiert. Anne Schreiter und RWTH-Professor Frank Piller begrüßten dazu Deutsche-Bahn-Digitalvorstand Professorin Sabina Jeschke, die Hamburger Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, die Gründerin von „zukunft zwei“ Carolin Silbernagl, den Gründer RWTH-Professor Günther Schuh und BMBF-Staatsekretär Thomas Rachel.

Dass Universitäten sich wie kaum eine andere Institution weltweit ausreichend vernetzen können, um dann gemeinsam den globalen Wandel mit zu meistern, war ein zentrales Ergebnis des Abends. In diesem Sinne will man die Impulse dieses Aus-tausches weiter vertiefen: „The New Fiction of Good Science – Talking about…“ wird als Reihe fortgeführt. Die Termine werden demnächst veröffentlich, der nächste Event wird im Zeichen von „Innovation und Nachhaltigkeit“ stehen.