Neue Behandlung von aggressiven Hirntumoren bei Kindern

10.08.2018

RWTH-Professor Twan Lammers koordiniert das internationale Projekt, das die EU mit 1,1 Millionen Euro fördert

 

Mit 1,1 Millionen Euro fördert die EU das Projekt NSC4DIPG, kurz für NanoSonoChemotherapy for Diffuse Intrinsic Pontine Glioma. Ziel ist die Entwicklung einer neuen Behandlungsmethode für Kinder, die an dem hoch aggressiven und tödlichen Hirntumor DIPG erkrankt sind. Professor Twan Lammers vom Lehr- und Forschungsgebiet für Nanomedizin und Theranostik der RWTH Aachen leitet das Projekt in Kooperation mit niederländischen und norwegischen Kliniken oder Instituten sowie einer deutschen Firma.

Jährlich sterben mehrere Hundert Kinder europaweit an DIPG. Der Tumor wächst diffus am Gehirnstamm, der unter anderem die Atmung kontrolliert. Das bedingt eine Streuung, die eine operative Entfernung des Tumors verhindert. Auch Chemotherapien sind nicht wirksam, da eine intakte Blut-Hirn-Schranke den Transport von Wirkstoffen und Wirkstoffträgern in den Tumor verhindert. Die bislang verfügbaren Behandlungsmethoden gewährleisten keine effektive Therapie.

Methode soll Tumorwachstum hemmen

Im Rahmen des geförderten Projektes soll die Blut-Hirn-Schranke örtlich und zeitlich begrenzt mithilfe von Ultraschall geöffnet werden. Auf diesem Wege entsteht ein Fenster für die Ansammlung von Chemotherapeutika im Nano-Format. Mit dieser Methode will man das Tumorwachstum hemmen. Bereits seit Ende 2015 findet sich die Idee in Kanada in klinischen Phase-I-Studien und wurde bereits erfolgreich angewandt.

NSC4DIPG kombiniert diesen Ansatz mit Nanomedizin, da sich durch das Beladen von Chemotherapeutika in Nanowirkstoffträgern vor allem deren Nebenwirkungen vermindern lassen. Die internationale und interdisziplinäre Kooperation deckt alle Stufen der Entwicklung und Translation des Ansatzes ab. Laut Lammers soll das Projekt dazu beitragen, die Behandlung für schwerkranke Kinder auf Basis von Ultraschallanwendung und Nanomedizin weiterzuentwickeln. Eine Translation in die Klinik werde so in den nächsten fünf bis zehn Jahren greifbar.