Sechs RWTH-Nachwuchsforschende bei der Lindauer Nobelpreisträgertagung

02.06.2022

Teresa Karl, Christian Schumacher, Renè Hommelsheim, Ruth D. Rittinghaus, Adrian Usler und Hans Gildenast sind unter den 611 Teilnehmenden aus 91 Ländern zum Schwerpunkt Chemie.

 

Die RWTH-Chemikerinnen und -Chemiker Teresa Karl, Christian Schumacher, Renè Hommelsheim, Dr. Ruth D. Rittinghaus, Adrian Usler und Hans Gildenast wurden für die Teilnahme an der 71. Lindauer Nobelpreisträgertagung ausgewählt. Diese findet vom 26. Juni bis zum 1. Juli 2022 statt. 611 Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden sowie Postdocs aus 91 Ländern treffen dabei am Bodensee auf etwa 35 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger. Die Lindauer Tagung gibt es seit 1951, ihr Schwerpunkt wechselt jährlich zwischen den drei wissenschaftlichen Disziplinen Physik, Chemie und Physiologie/Medizin. Mit der Einladung haben die Nachwuchswissenschaftler ein mehrstufiges Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen. Bewerberinnen und Bewerber dürfen nicht älter als 35 Jahre sein. Die Eingeladenen repräsentieren die nächste Generation führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und bleiben Teil des Exzellenznetzwerks der Lindauer Nobelpreisträgertagung.

Teresa Karl studierte von 2015 bis 2020 Chemie an der RWTH. Ihren Masterstudiengang schloss sie als Jahrgangsbeste mit der Masterarbeit in der Arbeitsgruppe Ritter am Max-PIanck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim, im Bereich der Synthetischen Organischen Chemie ab. Hierfür erhielt sie den Procter & Gamble-Preis der Fachgruppe Chemie. Anschließend begann sie ihre Promotion an der RWTH Aachen im Arbeitskreis von Professorin Franziska Schoenebeck am Institut für Organische Chemie, die durch ein Stipendium des Verbands der Chemischen Industrie- Fonds der Chemischen Industrie gefördert wird. Ihre aktuellen Forschungsarbeiten umfassen den Bereich der Homogenen Metallkatalyse und der Computational Chemistry. Hierbei sind ihre Arbeiten im Grenzgebiet zwischen synthetischer, mechanistisch orientierter und computergestützter Chemie angesiedelt. Durch diese Kombination ergibt sich die Chance, neue Reaktivitäten und Mechanismen in der Organometallchemie zu untersuchen und bedeutsame Einblicke speziell zur Entwicklung von neuen Katalysatoren zu erhalten.

Christian Schumacher studierte von 2013 bis 2018 Chemie an der RWTH und erwarb seinen Master mit den Schwerpunkten Katalyse, Synthese und bioaktive Moleküle. 2018 begann er seine Promotion in der Gruppe von Professor Carsten Bolm am Institut für Organische Chemie und erhielt ein Kekulé-Stipendium. Seine Forschung konzentriert sich auf die Anwendung mechanischer Kräfte in der organischen Synthese (auch bekannt als Mechanochemie), um Zugang zu Molekülen zu erhalten und Synthesestrategien zu ermöglichen, die auf anderem Wege unzugänglich sind. Außerdem interessiert er sich für Halogenbrücken. Als Gastdoktorand bei Humboldt-Professor Kari Rissanen an der Universität Jyväskylä (Finnland) analysierte er intermolekulare Kräfte im Festkörper und wurde durch ein DAAD-Stipendium unterstützt.

Renè Hommelsheim erhielt seinen Bachelor of Science in Chemie von der RWTH Aachen im Jahr 2017. Während seines Bachelorstudiums arbeitete er an photochemischen und metallkatalysierten Transformationen von Diazoverbindungen unter der Leitung von Juniorprofessor René Koenigs. Für seine Masterarbeit wechselte er in die Gruppe von Professor Carsten Bolm am Institut für Organische Chemie der RWTH, in welcher er seit November 2019 als Doktorand an der Synthese und Transformation von Sulfoximinen und Sulfonimidamiden arbeitet. Sein Promotionsstudium wird durch die Stiftung Stipendien-Fonds des Verbandes der Chemischen Industrie (Kekulé-Stipendium) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (ideelle Förderung) unterstützt.

Ruth D. Rittinghaus studierte ab 2011 Chemie an der RWTH und schloss 2017 ihren Masterstudiengang mit den Schwerpunkten Katalyse, Materialien und mesoskopische Systeme ab. In ihrer Promotion unter Betreuung von Professorin Sonja Herres-Pawlis am Institut für Anorganische Chemie beschäftigte sie sich mit der Katalysatorentwicklung für die Herstellung von Biokunststoffen. Ihr Forschungsinteresse liegt auf der mechanistischen Untersuchung von sogenannten Copolymerisationen, bei denen verschiedene Ausgangsmaterialien in einem Polymer vereint werden. Durch die Wahl der Art und Anordnung der Ausgangsmaterialien lassen sich Biokunststoffe mit maßgeschneiderten Eigenschaften erhalten. Seit September 2021 unterstützt Rittinghaus die Herres-Pawlis-Gruppe als Postdoc.

Adrian Usler hat von 2014 bis 2019 Chemie an der RWTH studiert. Anschließend hat er in der Gruppe von Professor Roger De Souza am Institut für Physikalische Chemie mit der Promotion begonnen, unterstützt durch ein Promotionsstipendium der RWTH-Graduiertenförderung. Usler forscht an den elektrochemischen Eigenschaften von Grenzflächen in ionenleitenden Oxidkeramiken, die beispielsweise als Elektrolytmaterialien in Hochtemperatur-Brennstoffzellen Anwendung finden. Dazu wendet er eine Reihe von mathematischen Werkzeugen an, um Grenzflächenwiderstände und ‑kapazitäten zu simulieren, mit dem Ziel, eine fundierte Interpretation und ein tieferes Verständnis von experimentellen Daten zu erhalten.

Hans Gildenast studierte von 2013 bis 2019 Chemie an der RWTH. Anschließend begann er die Promotion bei Professor Ulli Englert am Institut für Anorganische Chemie als Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Er forscht an metallorganischen Netzwerken, also Materialien aus Metallionen, die mithilfe organischer Bindeglieder zusammengehalten werden. Diese haben feine Poren analog zu Schwämmen, aber sehr viel kleiner (wenige Nanometer im Durchmesser) und können unter anderem zur Speicherung von Gasen wie Wasserstoff genutzt werden. Der Fokus seiner Forschung liegt auf dem gezielten und geordneten Einbau von mehreren Arten von Metallionen, um deren Vorzüge zu kombinieren.