RWTH fördert Projekte für ihren nachhaltigen Betrieb

18.11.2022
Viele Menschen stehen auf dem Dach des RWTH-Hauptgebäudes Urheberrecht: © Heike Lachmann

Fonds unterstützt Ansätze von Kleinwindkraftanlagen bis zu Algen-Lebendfassaden.

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Eine neue Chance für nachhaltige Ideen besteht in der kommenden Runde in 2023. Die Antragsfrist hierfür endet am 31. Juli 2023.

 

Die Hochschulleitung der RWTH Aachen hat mit dem Nachhaltigkeitsfonds Mittel bereitgestellt, um den Betrieb der Hochschule nachhaltiger auszurichten. Ziel ist es, mithilfe des Nachhaltigkeitsfonds den Betrieb so auszurichten, dass der ökologische Ressourcenverbrauch im Sinne der Klimaneutralität reduziert und ein verantwortungsvolles, inklusives Miteinander noch intensiver gefördert und verwirklicht wird. Damit trägt das Projekt zur Umsetzung des Nachhaltigkeitsleitbilds der RWTH bei.

Die Hochschule setzt mit diesem neuen Fonds ein Zeichen an alle Hochschulangehörigen wie auch an die Öffentlichkeit, dass nachhaltige Ideen zum Betrieb der RWTH konkret gefördert werden und neue Ansätze beispielsweise aus der Forschung in der Praxis erprobt werden können. Durch den Nachhaltigkeitsfonds werden in der Pilotphase von 2022 bis 2025 Mittel in Höhe von 450.000 Euro bereitgestellt. In der ersten Förderrunde 2022 werden insgesamt 100.000 Euro bereitgestellt, mit denen sechs ausgezeichnete Projekte mit Summen zwischen 5.000 und 25.000 Euro finanziert werden. „Durch unser individuelles und gemeinschaftliches Handeln können wir Verantwortung übernehmen und zu einer nachhaltigeren RWTH beitragen. Nur gemeinsam können wir den bestmöglichen Beitrag zu einer zukunftsorientierten Gestaltung von Wissenschaft und Gesellschaft auf Dauer und verlässlich leisten. Diesem Ziel verpflichten wir uns und wir müssen vorleben, dass wir mit Engagement mit auch geringeren Mitteln viel bewegen können“, erklärt Rektor Professor Ulrich Rüdiger bei der Verleihung der ersten Förderungen.

Im Einzelnen handelt es sich dabei um folgende nachhaltige Ansätze:

Für den Aufbau einer nachhaltigen Stromproduktion mit modularen Vertikalwindrädern auf RWTH-Gebäuden wird das Institut für Strukturmechanik und Leichtbau (SLA) gefördert. Die am SLA entwickelte Kleinwindkraftanlage (KWA) wurde nach dem Prinzip „so einfach wie nötig“ konzipiert und könnte durch ihre vielseitigen Installationsmöglichkeiten und modulare Bauweise profitieren. Das Konzept sieht vor, durch eine Verschaltung von mehreren KWA (jeweils ein Kilowatt) die notwendige Leistung bei lokal herrschender Windgeschwindigkeit zu erreichen. Daneben ist geplant, für die Flügel neuartige Vliese zu verwenden, die das SLA gemeinsam mit dem Institut für Textiltechnik entwickelt hat. Die Vliese entstehen durch Upcycling von Carbonfaser-Abfällen aus der Automobilindustrie.

Eine nachhaltige Betreuung mithilfe digitaler Medien baut die Fachschaft Architektur um John Bergmann und Mina Su auf. Die Fachschafts-interne Nachhaltigkeits-AG will die aktuelle Situation, die von den Studierenden unter anderem A0-Drucke bei Präsentationen verlangt, die 15 Minuten korrigiert und anschließend entsorgt werden, verändern. Die Corona-Pandemie hat bewiesen, dass diese mit Ausgaben verbundene Verschwendung von Ressourcen nicht zwingend nötig ist und Notizen auch auf digitalen Medien gemacht werden können. Um dies zu erproben und langfristig eine nachhaltigere Architekturlehre zu ermöglichen, wird mithilfe des Nachhaltigkeitsfonds ein sogenanntes Promethean Board angeschafft.

Die Baubranche ist eine wichtige Stellschraube bei der Umsetzung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft (Circular Economy). Ein Leitfaden für die Planung kreislaufgerechter und energetisch optimierter Forschungsgebäude ist das gemeinsame Ziel des Centers for Sustainable Hydrogen Systems (CSHS) und des Centers for Circular Economy (CCE). Verantwortlich sind Professorin Linda Hildebrand (Juniorprofessur für Rezykliergerechtes Bauen) und die Centersprecher Professor Stefan Pischinger und Professor Bernd Friedrich. Der Leitfaden soll dann auch als Grundlage für ein gemeinsames Forschungsgebäude der beiden Center dienen. Dieses Gebäude soll einerseits die Expertisen der Forschungsfelder bündeln und Anlaufstelle für Forschung zu Nachhaltigkeitsthemen werden. Andererseits soll es auch als Best-Practice-Beispiel für ein kreislaufgerechtes und energieeffizientes Gebäude dienen.

Das „BauGrünKit“ ist ein Selbstbaukit für eine koproduktive Begrünung von Hochschulgebäuden. Dieses kann Studierenden und Beschäftigten von der Hochschule zur Verfügung gestellt werden, um eigeninitiativ kleinere Dach- oder Fassadenabschnitte zu begrünen. Aufgrund der geringen Größe (Selbstbau-Ansatz) unterstützt das BauGrünKit schnell und unkompliziert. Es bietet Lebensraum und Nahrung für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten und kann durch die Pflanzenauswahl an bestimmte Arten und Standorte angepasst werden. Verantwortlich sind hierfür das Institut für Landschaftsarchitektur, das Institut für Textiltechnik und das Sprachenzentrum, an welchem das BauGrünKit praktisch getestet und angebracht wird.

Eine Echtzeitleistungserfassung von Großgeräteprüfständen erarbeitet das Institut für fluidtechnische Antriebe und Systeme (ifas) um Professorin Katharina Schmitz. Hintergrund ist, dass am ifas diverse Prüfstände mit großer elektrischer Anschlussleistung vorhanden sind, die bei größeren Kennfeldvermessungen oder Haltbarkeitsuntersuchungen über Tage oder Wochen kontinuierlich mit hoher Last (mehrere hundert kW) betrieben werden. Zeitgleich arbeitet das Institut im Rahmen öffentlich geförderter Projekte an der Bestimmung des CO2-Fußabdrucks in der Produktion und dem Betrieb fluidtechnischer Komponenten, sodass das Bewusstsein für dieses Thema stetig wächst. Ziel ist es, einerseits das interne Bewusstsein für die Auswirkungen des Betriebs zu stärken und den Betrieb effizienter zu gestalten, andererseits durch Angabe der aufgewendeten Energiemengen zur Datenerzeugung in Publikationen das Bewusstsein für diese Thematik in der Öffentlichkeit zu stärken.

Eine innovative Algen-Lebendfassade zur Energieeinsparung und zur Fixierung von Kohlenstoffdioxid und Stickstoff planen in einem gemeinsamen Antrag die Institute für Angewandte Mikrobiologie, für Biologie III (Pflanzenphysiologie) und die Juniorprofessur für Computational Life Sciences. Ziel dieses Projekts ist es, eine Fassade aus Mikroalgen oder Cyanobakterien zu entwerfen und zu nutzen, die gleich drei verschiedene Zwecke erfüllt: Erstens, die Verbesserung der Wärmedämmung eines Gebäudes. Zweitens binden die Mikroben das Treibhausgas CO2 in städtischen Gebieten. Ungefilterte Stadtluft wird an der Unterseite einer Fassadenplatte in Kombination mit dem einfallenden Sonnenlicht zur Photosynthese durch die Algen eingeleitet, die Biomasse und Sauerstoff produzieren, die an der Oberseite wieder freigesetzt werden. Drittens können die Cyanobakterien Stickstoff fixieren und somit Dünger bilden, was von zunehmender Bedeutung ist. Begleitend zu dem Algenreaktorprojekt werden an den Instituten für Angewandte Mikrobiologie und für Biologie III (Pflanzenphysiologie) Konzepte zur Plastikvermeidung und zum Energiesparen umgesetzt. Bei den Ansätzen werden Studierende in Forschungsprojekte miteinbezogen, um Photofermentationen im Bezug zur Energiebilanz und der technischen Leistungsfähigkeit zu evaluieren. Dieser Antrag dient als Pilotprojekt und kann bei einer positiven Evaluierung auf die ganze Fassade des Sammelbaus Biologie beziehungsweise weitere Gebäudeflächen ausgeweitet werden.

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RWTH-Rektor Ulrich Rüdiger traf die Vertreterinnen und Vertreter von sechs Projekten, die aus dem Nachhaltigkeitsfonds der RWTH Aachen finanziert werden.

 

Nachhaltigkeitsfonds - Projekte