Professor Gernot Marx

 

Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen und Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

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Chancen der Digitalisierung für eine innovative Gesundheitsforschung und Versorgung nutzen

Das Innovationszentrum Digitale Medizin (IZDM) an der Uniklinik RWTH Aachen (UKA) ist in NRW, Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus Schrittmacher und Impulsgeber für digitale Weiterentwicklungen in der Medizin (bspw. Telemedizin, Künstliche Intelligenz, Telemonitoring, Robotik). In öffentlich geförderten Großprojekten werden hier digital-medizinische Innovationen entwickelt und unmittelbar in die Gesundheitsversorgung überführt. Die digitale Medizin ist an der RWTH Aachen ein starkes und nachhaltiges Bindeglied zwischen den Feldern der Data Science, Life Science und den Ingenieurwissenschaften.

Zentrale Herausforderungen an ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem sind aus der demographischen Entwicklung resultierende Erfordernisse, der wachsende Versorgungsbedarf, die steigenden Qualitätsanforderungen und der medizinisch-technische Fortschritt bei gleichzeitig bestmöglicher Nutzung knapper personeller und ökonomischer Ressourcen. Der akute Handlungsbedarf in diesem Bereich wird durch das IZDM mit dem Transfer von digital-medizinischer Wissenschaft an das Patientenbett adressiert.

Die Übertragbarkeit von der Grundidee eines Projektes in die Regelversorgung erfolgte exemplarisch und zielgerichtet während der COVID-19-Pandemie durch die prompte Implementierung der Vorstufe des Virtuellen Krankenhauses NRW (VKh), welches seinen konzeptionellen Ursprung im erfolgreich abgeschlossenen Innovationsfondprojekt TelNet@NRW hat. Das VKh ist ein telemedizinisches, ärztliches Versorgungskonzept, das medizinische Expertise indikationsabhängig in der Fläche verfügbar macht. Durch den Einsatz tele-intensivmedizinischer Konsile war es im Rahmen der Pandemie möglich, patienten- und systemrelevante Outcomes, wie Mortalität und Verlegungsraten, positiv zu beeinflussen. Die im Februar 2021 erfolgte Ergänzung des Zentrenkataloges des Gemeinsamen Bundesausschusses um Zentren in einem intensivmedizinischen digital-gestützten Versorgungsnetzwerk (IDV-Zentren) schafft die Möglichkeit, die Leistungserbringung zu finanzieren. Das UKA ist gerade vom Land NRW als IDV-Zentrum ausgewiesen worden. Ein ähnliches zudem europaweites telemedizinisches Expertenkonzept, das zusätzlich Künstliche Intelligenz am Intensivbett verfügbar macht, wird aktuell an dem UKA im Rahmen des EU-Projektes ICU4Covid betrieben.

Durch die innovativen Potentiale wird der multiprofessionelle Standort mit der Exzellenzuniversität RWTH Aachen und dem IZDM des UKAs gemeinsam als digital-medizinsicher Leuchtturm in Deutschland platziert und bereits als zukunftsweisend vom Wissenschaftsrat in Aachen identifiziert. Die gemeinsame Interaktion von Medizin und Technik ist die Voraussetzung für die interdisziplinäre Weiterentwicklung der Digitalisierung im Gesundheitswesen.