Jan-Martin Wiarda

 

Journalist für Bildung und Wissenschaft

Jan-Martin Wiarda Urheberrecht: © Kay Herschelmann

Wo sind die nachweisbaren Erfolge des Zusammenspiels von Politik und Wissenschaft?

Es ist ein Satz, der zurzeit in keiner Grundsatzrede zur künftigen Forschungsfinanzierung fehlen darf. Ihre Bedeutung für die Gesellschaft habe „die Wissenschaft in Deutschland“ ja gerade erst wieder auf eindrucksvolle Weise unter Beweis gestellt, und dann folgt der Hinweis auf die unerwartet schnelle Impfstoffentwicklung.

Diese Beweisführung ist mir allerdings etwas zu simpel. Was, wenn die Mainzer Firma Biontech nicht ganz vorn mit dabei gewesen wäre? Hätte man dies dann als Zeichen mangelnder Effektivität der deutschen Forschungslandschaft deuten müssen? Und ist Biontechs Erfolg tatsächlich das quasi zwangsläufige Ergebnis der öffentlichen Förderung von Wissenschaft – oder hat er ganz andere, vielschichtigere Gründe? Ist die Impfstoff-Entwicklung made in Germany womöglich viel eher eine „Trotz-aller-Hürden“-Geschichte – angesichts des vielfach beklagten, oft immer noch mangelhaften Transfers zwischen Wissenschaft und Wirtschaft beziehungsweise Gesellschaft?

Dass die Wissenschaft insgesamt, was auch immer man unter dieser Sammelbezeichnung versteht, eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der Pandemie gespielt habe, ist ebenfalls eine häufig und schnell postulierte These. Und (interessanterweise vor allem vom Bauchgefühl her) möchte man ihr auch unmittelbar zustimmen.

Doch woran genau lässt sich das auf Deutschland bezogen eigentlich festmachen? Wo sind die nachweisbaren Erfolge des Zusammenspiels von Politik und Wissenschaft? Hat das Zusammenspiel der unterschiedlichen Disziplinen von der Virologie über die Medizin bis in die Sozial- und Bildungswissenschaften hinein tatsächlich so gut geklappt? Was hat das Netzwerk Universitätsmedizin bislang konkret geleistet, was die Ressortforschungseinrichtungen wie das Robert-Koch-Institut?

Grundsätzlich und global gesehen ist die Feststellung der „zentralen Rolle der Wissenschaft“ in den vergangenen anderthalb Jahren sicher richtig. Doch sollten wir uns die Analyse deswegen auf Deutschland bezogen nicht zu einfach machen. Und auch nicht die Schlussfolgerungen daraus für die Zeit nach der Pandemie