Professor Mathias Hornef

 

Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Uniklinik RWTH Aachen

Prof. Mathias Hornef Urheberrecht: © Peter Winandy

Die Versachlichung des gesellschaftlichen Diskurses

In dreierlei Weise trägt die Wissenschaft zur erfolgreichen Auseinandersetzung einer Gesellschaft mit einem bisher unbekannten Ereignis wie zum Beispiel einer Pandemie mit einem neuen Infektionserreger bei.

Zum einen generiert sie zunächst Modelle, auf deren Basis ein kalkuliertes Handeln möglich ist, sowie später die Evidenz, anhand derer Entscheidungen rational gefällt werden können.

Zum Zweiten trägt sie durch die ihr eigene offene Diskussionskultur und evidenzbasierte Empfehlungsfindung zu einer Versachlichung des gesellschaftlichen Diskurses bei, ohne die eine konstruktive politische und gesellschaftliche Diskussion gefährdet ist.

Zum Dritten adaptiert oder entwickelt sie Methoden der Surveillance, Prävention und Therapie und damit konkrete Lösungsstrategien. Erkennbare Probleme aus meiner Sicht waren in diesem Fall die Einordnung der Empfehlungen von Wissenschaftler*innen bei der politischen Entscheidungsfindung (auf beiden Seiten), die geforderte Kooperation ansonsten kompetitiv agierender akademischer Einrichtungen, die nötige Beschleunigung des Antrags- und Peer-Review-Prozesses bei der Mittelvergabe, infrastrukturelle Engpässe und administrative/bürokratische Hemmnisse. Auch wenn ich an der RWTH damit wohl Eulen nach Athen trage, möchte ich hierbei gerne die Bedeutung der Grundlagenwissenschaften (neben den translationalen Wissenschaften) bei der Bewältigung einer solchen Krise betonen.