Professorin Alena Buyx

 

Lehrstuhl für Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien an der Technischen Universität München, Vorsitzendes Deutschen Ethikrates

Prof. Alena Buyx Urheberrecht: © Reiner Zensen

Die Jungen müssen wieder mehr Freiheiten bekommen

Entscheidend ist doch auch, dass es endlich mal um die Jungen geht, die in der Pandemie so lange zurückstecken mussten. Sie müssen wieder mehr Freiheiten und Möglichkeiten bekommen. Damit meine ich nicht nur die Zwölf- bis 15-Jährigen, sondern auch all die Azubis, Studierenden, die Abiturientinnen und jungen Erwachsenen. […]

Gerade diese Gruppe hat lange auf jene Rücksicht genommen, die durch die Priorisierung vorrangig geschützt wurden. Die Jungen haben bisher einen erheblichen Teil der Last dieser Pandemie getragen. Nun ist es nötig, ihnen etwas zurückzugeben – auch mit dem Angebot einer Impfung. In der Ethik nennen wir das Reziprozität. […]

Wenn eine Gruppe einen höheren Beitrag leistet, führt das auf Dauer zu Spannungen – es sei denn, es erfolgt irgendwann ein Ausgleich, eine Art Wiedergutmachung. Das ist das Prinzip der Reziprozität. Darauf beruht auch das solidarische Prinzip unserer Versicherung. Die Gesunden gehen ja in Vorleistung. Das funktioniert aber nur, wenn sie eine Versorgung bekommen, wenn sie selbst einmal krank sind. Ähnlich ist es beim Rentensystem.

Aus ZEIT Online, 27. Mai 2021, „Ich würde meine Kinder sofort impfen lassen“.